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Der wunderbare Massenselbstmord Theater 7Schuh, Görlitz
theater Blaues Haus, Krefeld

Der finnische Bestsellerautor Arto Paasilinna verknüpft in seinen Büchern die Widrigkeiten des Alltags und zwischenmenschlicher Beziehungen auf teilweise sehr absurde Weise mit existenziellen Lebensfragen. Auch in Deutschland hat er nach mittlerweile über 20 veröffentlichten Büchern eine große Fangemeinde, weshalb es uns nicht überraschte, dass sein Stück „Der wunderbare Massenselbstmord“ als Erstes kurz nach Vorverkaufsstart bereits ausverkauft war, weshalb eine zweite Aufführung nötig und am selben Tag möglich wurde. Wahrscheinlich hätten wir den Rittersaal auch noch ein weiteres Mal füllen können, was der Terminplan aber leider nicht hergab.

Doch nun zum Stück. Zwei Männer wollen sich unabhängig voneinander das Leben nehmen. Der eine ist vielfach beruflich gescheitert, dem anderen ist gerade seine geliebte Ehefrau verstorben. Beide sehen im Leben keinen Sinn mehr und treffen bei ihrem Selbstmordversuch in einem Wald zufällig aufeinander, wobei der eine den anderen rettet. Beim anschließenden Kennenlernen wird unter Alkoholeinfluss die Idee geboren, den nächsten Selbstmordversuch besser durchzuführen und dafür sogar weitere Gleichgesinnte per Inserat zu suchen, um einen gemeinsamen Massenselbstmord zu veranstalten. Nachdem sich eine Gruppe von Teilnehmern zusammengefunden hat, fahren sie in einem Reisebus schließlich ans Nordkap, um dort ihr finales Vorhaben in die Tat umzusetzen...
Auf dem Weg dorthin lernen sie sich untereinander kennen, finden gegenseitiges Verständnis, einige verlieben sich sogar, so dass sie letztendlich von ihrem Plan abrücken und wieder hoffnungsvoll ins Leben zurückkehren.

Stella Jabben und Anne Swoboda erzählen, tanzen, singen und spielen die Geschichte mit unbändiger, energiereicher Spielfreude, mal melancholisch leise, mal derb humoresk.
Das Stück ist eine fein ausbalancierte Komödie, bei der einem an einigen Stellen das Lachen doch im Halse Stecken bleibt, sich dafür aber tröstliche Einsichten eröffnen können.

Die Geschichte ist gekonnt und ideenreich in Szene gesetzt. Sie wechselt zwischen traditionellen, ausdrucksstarken Handpuppen, Mini-Stabfiguren, die per Videoprojektion am Spiel teilnehmen und den beiden Erzählerinnen kurzweilig hin und her. Dafür wurden die beiden Künstlerinnen am Ende beider Vorstellungen mit lang anhaltendem Applaus vom restlos begeisterten Publikum belohnt.