Rückblick Pole Poppenspäler Tage 2015

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Das Rotkäppchen Theater Zitadelle, Berlin

Unverkennbar ein Teil des mächenhaften „Tryptichons“, das Daniel Wagner unter der Regie von Pierre Schäfer über mehrere Jahre entwickelte. Das ist schon an den Kulissen erkennbar: der „Tapetenwand“ mit Damastmuster und dem einfachen, wandlungsfähigen Tisch. Der Wurzelzwerg, eine tschechische Marionette, die Daniel Wagner schon seit seiner Kindheit begleitet, ist Teil auch dieser Inszenierung und wuselt an den unglaublichsten Stellen durch das Spiel. Das Märchen wird für die Kinder stringent erzählt, es enthält alles, was auch im Märchenbuch der Brüder Grimm steht, doch hat die Mutter Rotkäppchens hier einen richtigen Namen: Frau Kappstrudel. Und Rotkäppchen ist Johanna Kappstrudel - wie es eben in einer traditionellen, deutschen Familie ist. Für die Erwachsenen fügt Daniel Wagner einige Anspielungen ein, die die Kinder nicht stören, ihre erwachsenen Begleiter aber durchaus amüsieren. So wenn der Wolf zu dramatischer Beleuchtung und der Geräuschkulisse von „Psycho“ das Rotkäppchen verschlingt - was man aber auf der realen Bühne nur erahnt. Es spielt sich in den Köpfen Zuschauer ab! Und auch was alles aus dem Bauch des Wolfes zutage gefördert wird, sorgt für Extra-Lacher. Der Wolf selbst ist eine beeindruckende, ein wenig depressiv, gierig wirkende Schöpfung aus der Hand Mechthild Nienabers.

Die preisgekrönte Inszenierung wurde völlig zu Recht erneut in Husum gezeigt und riss auch in diesem Jahr die Zuschauer zu Begeisterungsstürmen hin.