Rückblick

32. Pole Poppenspäler Tage 2015

Das Versteck
- ein Märchen vom Suchen und Finden

Theater Miamou

Für ihr neuestes Stück ließ sich Mirjam Hesse vom Theater Miamou durch das Märchen 191 der Grimmschen Märchensammlung, „Das Meerhäschen“, inspirieren. Sie erzählt die Geschichte der Königstochter, die in einem Schloss mit zwölf Fenstern lebte. Die gingen nach allen Himmelsgegenden, und wenn sie hinaufstieg und umherschaute, so konnte sie ihr ganzes Reich übersehen. Aus dem ersten sah sie schon schärfer als andere Menschen, aus dem zweiten noch besser, aus dem dritten noch deutlicher und so immer weiter bis in dem zwölften, wo sie alles sah, was über und unter der Erde war und ihr nichts verborgen bleiben konnte. Weil sie sich aber niemand unterwerfen wollte, so ließ sie bekannt machen, es sollte niemand ihr Gemahl werden, der sich nicht so vor ihr verstecken könnte, dass es ihr unmöglich wäre, ihn zu finden. Viele versuchen ihr Glück, doch sie durchschaut jeden Bewerber um ihre Hand auf den ersten Blick. Nur der Junge mit dem Hut, der gibt ihr Rätsel auf. Er handelt mit ihr aus, dass sie ihn dreimal suchen wird. Und weil er sie neugierig macht, lässt sie sich darauf ein, denn er kennt Verstecke, die sie selbst durch die Fenster kaum sehen kann. Oder will sie sie nicht sehen? „Ich sehe was, was du nicht siehst. Ich sehe was, was du nicht weißt. Du siehst etwas, was du nicht kennst. Ich bin etwas, was du nicht siehst. Ich seh‘ in dir, was ich nicht kenn‘ . . .“ Als sie beim dritten Versuch scheitert, wird der Junge mit dem Hut ihr Mann – und er verrät ihr nie, wo er sich versteckt hat. Miriam Hesse, die Neuentdeckung der Pole Poppenspäler Tage 2013, entfaltete auch in diesem Spiel wieder ihre ganz eigene, wunderbare Spielästhetik. Sie erzeugt sie durch ein interessantes Bühnenbild, in dem sie mit ihren typischen, tänzerisch anmutenden Bewegungen agiert und die Geschichte gelassen erzählt.