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Looking for Brunhild Schäfer-Thieme-Produktion, Berlin

Wer hat sich nicht schon als Kind, spätestens aber als Schüler oder Filmfreund mit der Nibelungensage beschäftigt? Die Geschichte von Siegfried, dem Drachentöter, von Krimhild, der Schwester Gunthers, König von Burgund, seines treuen Vasallen Hagen von Tronje und Brunhild, der Königin von Island wurde vielfach erzählt, verfilmt, vertont . . .
Pierre Schäfer und Veronika Thieme konzentrieren sich bei ihrer Inszenierung auf diese fünf wesentlichen Protagonisten, Figuren aus der Hand von Suse Wächter. Zu Beginn des Spiels, in dessen Bühnenbild ein riesiges Schwert dominiert, wird der Zuschauer allerdings mit dem schwäbelnden Jacob Hermann Obereit konfrontiert. Für ihn als Entdecker der Nibelungen Handschrift ist Brunhild die wahre Heldin des Epos. Er fordert, das „Nibelungenlied“ müsse „Brunhildlied“ heißen. Überraschenderweise lebt Brunhild noch – alt und im Rollstuhl sitzend – in einem isländischen Altersheim und versucht, sich an die damaligen Geschehnisse zu erinnern. Ihr Gedächtnis mag lückenhaft sein, doch das tut dem lebhaften Treiben auf der Bühne keinen Abbruch – bis alle, die ihr Unrecht taten, tot sind. Und Obereit? Wird er den Lauf der Überlieferung ändern können?
Es war ein ausgesprochen temporeicher, vergnüglicher Abend, werkgetreu in der Kernhandlung und mit einem erfrischenden Blick auf die Überlieferung.