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Die Hohnsteiner -
Eine multimediale Betrachtung
Wolf Buresch, Jürgen Maaßen, Jens Welsch

Drei Männer und ein Mythos: Die Hohnsteiner. Gegründet 1921 von Max Jacob und seinen Freunden aus dem Wandervogel als Hartensteiner Puppenspiele. Mit dem Umzug auf die Jugendburg Hohnstein änderten sie ihren Namen in Hohnsteiner Puppenspiele. Von dem kleinen Ort in der sächsischen Schweiz aus eroberten sie die Welt und sind bis heute für zahlreiche Amateurbühnen vorbildhaft. „Ach ja, die Hohnsteiner . . .“ seufzt da mancher ältere Mensch und erinnert sich an die Schallplatten, später Kassetten, aus den 1950er und 1960er Jahren oder an das legendäre „Warten auf das Christkind“. Damals raubten vier Räuber (die aus dem „Klingenden Teppich“ der Hamburger Hohnsteiner Bühne Friedrich Arndt) eine richtige Straßenbahn in Köln. Die Räuber sind heute übrigens Teil der ständigen Ausstellung im Museum für PuppentheaterKultur in Bad Kreuznach. Die Art des Hohnsteiner Puppenspiels wird immer noch praktiziert – als Amateurspiel mit Serienfiguren aus den verschiedensten Werkstätten, aber auch von einigen Berufspuppenspielern. Das ist der Mythos.
Die drei Männer haben einen ganz unterschiedlichen Zugang zu diesem Mythos. Wolf Buresch war von 1959 bis 1963 Ensemblemitglied der Bühne Friedrich Arndt. Später entwickelte und spielte er eigene Fernsehreihen, z.B. den „Hasen Cäsar“. Als verantwortlicher Redakteur für das Kinder- und Familienprogramm förderte er das Spiel mit Figuren im Fernsehen. In Husum plauderte er über seine Zeit bei den Hohnsteinern, über seine Begegnungen und Erfahrungen mit Max Jacob, Friedrich Arndt und den anderen Bühnenmitgliedern, die er persönlich gekannt hat.
Jürgen Maaßen hat für viele Bühne in Deutschland die Figuren und die Ausstattung gebaut. Er ist seit Kinderzeiten mit den Hohnsteinern vertraut und kann auch á la Hohnstein schnitzen. Mit dem Blick des Bildhauers erkennt und erläuterte er die Unterschiede zwischen Figuren, die der erste Schnitzer der Hohnsteiner, Theo Eggink, schuf und solchen, die aus der Hand Till de Kocks stammen.
Jens Welsch sammelt seit vielen Jahren Hohnsteiner Holzköpfe. Das sind z.T. gedrechselte Serienköpfe für die Kinderhand aus der Werkstatt Till de Kocks aber auch Werke von Theo Eggink oder Till de Kock für Berufsbühnen. Anlässlich des 100. Geburtstags von Friedrich Arndt hob er ein Puppenspielwochenende aus der Taufe, das seither jedes Jahr in Osterholz-Scharmbek seine Fortsetzung findet. Damals übte er unter der Regie und Mitarbeit von Wolf Buresch zusammen mit anderen Amateurpuppenspielern Szenen aus Hohnsteiner Textheften ein.
In Husum durften nun die Zuschauer im vollbesetzten Rittersaal noch einmal dieser ganz besonderen Spielweise begegnen, denn die Plauderei über persönliche Begegnungen, Hinweise auf feine Unterschiede im Schnitzstil und dem Werdegang eines Sammlers wurden von Filmausschnitten und „richtigem“ Figurenspiel begleitet. Es war für viele eine beglückende Reise in die Vergangenheit, die sie mit lang anhaltendem Beifall für die Akteure belohnten.