Rückblick

32. Pole Poppenspäler Tage 2015

Die Comedia der Nase
babelart, Gmunden / Österreich

Die Novelle des russischen Dichters Nikolaj Gogol „Die Nase“ wurde inhaltlich original getreu wiedergegeben und spritzig dargestellt. Andra Taglinger und Manfredi Siragusa von babelart verwoben das surrealistische Stück mit Elementen der Commedia dell’Arte und gaben ihm dadurch Tempo und ungeahnte Wendungen, denn eigentlich sah man zwei Stücke: „Die Nase“ und einen großspurigen Capitano, der gern als Held in einem Spiel der Commedia del’Arte auftreten möchte, von seiner Mitspielerin aber immer wieder auf „Die Nase“ zurückgeführt wird. Die Kulissen: In der Mitte der Bühne steht eine Stange mit einem grauen Vorhang, der auf beiden Seiten von roten Vorhängen gerahmt ist, die jeweils eine Maske tragen. Durch die Verschiebung dieser Kulissen werden immer wieder neue Räume angedeutet. Siragusa in der Rolle des großspurigen Capitano Spaccavento tritt von links auf, Andra Taglinger als Colombina, verführerisch und selbstbewusst kommt von rechts. Pulcinella als Barbier und Pantalone als Beamter, sind hier Handpuppen und verkörpern jeweils den Gegenspieler Capitano Spaccaventos. Als der seine Nase plötzlich vermisst, haben Pulcinella und auch Pantalone kein Verständnis für ihn. Sie helfen ihm nicht. Allmählich verliert der stolze Capitano seine Contenance. Er fürchtet um sein Ansehen. Grandios in seiner Verzweiflung Siragusa! Auch Columbina verfällt dem Aufschneider nicht und lehnt jede Unterstützung ab. Sie lacht über ihn. Schließlich geschieht es ihm doch recht, meint Columbina. Ihre Schadenfreude lebte Taglinger wunderbar aus. Babelart zeigte hochprofessionelle komödiantische Schauspielkunst, flott inszeniert und lustig. Grotesk und doch denkbar, komisch und doch ernsthaft, genau wie Gogol sagt: „…dergleichen Dinge kommen vor- selten zwar, aber sie kommen vor.“ Ein tolles Stück und vor allem ausgezeichnete Puppenspieler! Sehenswert!