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Die Geierwally die exen, Passau

Klassiker vom Klassiker?
Die Geierwally ist ernstgemeinter Stoff über Emanzipation, Heimat, Liebe, Blut und Boden und an diesem Abend folgen die exen aus Passau weitgehend der Vorlage. Aber vom ersten Augenblick an wird klar, dass wir eine Persiflage sehen, die dem Stück jedoch kein bißchen seiner eigenen Dramatik nimmt.
Es ist eine schmale Gratwanderung, die den Puppenspielerinnen Dorothee Carls und Annika Pilstl aufs Genaueste gelingt. Zwischen krachledernem Humor und finsterster Bergbauernmentalität halten die exen eine sichere Balance.
Natürlich wird das Stück in erster Linie durch das Puppenspiel bestimmt. Die ohnehin schon sehenswerten, naturalistischen Handpuppen wurden gekonnt geführt, ein Krümmen des Handrückens, eine Drehung der Figur und eine Palette an Emotionen wie Trauer, Wut und Freude werden freigesetzt.
Die Präsentation des Textes und die stimmliche Gewalt sind im Einklang, nie maniriert oder hysterisch, dennoch mit einem Witz, der an die Grenze zur Groteske geht. Die Zeichnung der Charaktere ist damit ausgesprochen gelungen, die Figuren der Wally und ihres Vaters sind nichts weniger als meisterhaft. Ja - so hat man sie aus seinen Kindheitstagen in Erinnerung.
Hinzu kommt ein Bühnenbild, das aus einigen Metern Malerstoff eine imposante Tiroler Bergwelt skizziert. Es passt wie der perfekte Einsatz von Licht und Musik, dass die Regie das Stück sicher durch sämtliche Spannungsbögen laufen lässt, und zielstrebig zum richtigen Zeitpunkt für Wechsel an Tempo und Stimmung sorgt, die von den beiden Spielerinnen in ungebrochener und gekonnter Spielfreude umgesetzt werden.
Der Roman der Wilhelmine von Hillern wurde zuerst 1921 als Stummfilm in Szene gesetzt. Berühmter sind aber die Filme von 1940 mit der Hauptdarstellerin Heidemarie Hatteyer und von 1956, als Barbara Rütting die Hauptrolle spielte. In einer Nebenrolle trat damals auch Siegfried Rauch auf, der in der neuesten Verfilmung von 2005 erneut mitwirkte. Die Filme von 1940 und 1956 gelten längst als Klassiker des Genres. Die Adaption für das Figurentheater durch die exen sollte nach dieser Spielzeit als nichts anderes gelten.
Torsten Zajwert