Rückblick

31. Pole Poppenspäler Tage 2014

„Ich will meine Seele tauchen“ –
Theater Laboratorium,
Oldenburg

Der Einlass für den Abend über Clara und Robert Schumann gab den Blick frei auf ein Bühnenbild, in dem Schnüre wie Notenlinien über die gesamte Bühnenbreite gespannt waren. Daran hingen einzelne weiße Blätter – Briefe? Kompositionen? Das Spiel begann mit Zitaten aus dem Briefwechsel zwischen der kindlichen Clara und dem jugendlichen Robert. Claras Vater war ein strenger Lehrer, für die heiteren Momente im Leben Claras zeichnete Robert verantwortlich. Die Zuneigung der beiden füreinander wurde vom Vater mit Sorge beobachtet, sah er doch den unsteten Lebenswandel seines männlichen Schülers. Clara und Robert erstreiten sich ihr Recht auf eine Ehe, eine Erbschaft bietet finanziellen Spielraum, trägt zu sorglosen Ehejahren bei, in denen freilich bereits eine gewisse Verschwendungssucht Roberts erste Misstöne bringt. Als Clara sich schließlich gezwungen sieht, für den Unterhalt der Familie auf Tournee zu gehen, muss sie sich dies hart erkämpfen. Neben zeittypischen patriarchalischen Verhaltensmustern wird die psychische Labilität Roberts immer deutlicher. Tagelang schließt er sich ein. Nur in absoluter Ruhe ist es ihm möglich, zu komponieren. Und er leidet, wenn es ihm dennoch nicht gelingt ein für ihn zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen. Hoffnung keimt auf, als Robert zum städtischen Musikdirektor nach Düsseldorf berufen wird. Doch seine Arbeitsauffassung deckt sich nicht mit der seines Orchesters. Nach einem Suizidversuch lässt er sich in eine psychiatrische Klinik einweisen, in der er seine letzten Lebensjahre verbringt. Und Clara? – Nach der strengen musikalische Erziehung durch den Vater sieht sie sich in einer Ehe, in der viel Diplomatie gefordert ist. Auf ihren Konzerttourneen macht sie die Werke Roberts bekannt – ihm war aufgrund einer Sehnenscheidenentzündung die Pianistenlaufbahn versperrt. Nach dem Tod Roberts mag sie eine Romanze mit Johannes Brahms erlebt haben, doch lassen die autorisierten Informationen nicht erkennen, wie tief diese ging. Die Inszenierung lässt in einer Mischung aus Schau- und Puppenspiel mit erzählenden Elementen all diese Facetten der Künstler- und Ehegemeinschaft aufleben. Der Blick in das weite Bühnenbild wird in verschiedenen Szenen auf Schauräume (Kästen) konzentriert. Es waren ausgesprochen unterhaltsame und lehrreiche 120 Minuten, die zu Recht mit stehenden Ovationen belohnt wurden!