Rückblick Pole Poppenspäler Tage 2014

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Dr. Weltsch & Dr. März Theater Laboratorium,
Oldenburg

Nach einer Pause im vergangenen Jahr konnten die Zuschauer der 31. Pole Poppenspäler Tage den Publikumsliebling Pavel Möller-Lück nun mit einer neuen Inszenierung in zwei ausverkauften Vorstellungen in der NordseeCongressHalle erleben. In Zürich führen Dr. Alexander Weltsch (P. Möller-Lück) und Dr. Wieland März (J. Wendt) eine Praxis für Lebenskunst. In dieser Praxisgemeinschaft ist Weltsch eindeutig die dominierende Figur, ein Psychiater mit multipler Persönlichkeitsstörung, der seine Probleme auf Mitarbeiter und Patienten projiziert. Dritte im Bunde ist Christine (A. Mittelstaedt), seit 30 Jahren Projektion von Weltsch. Sie ist da, wenn er sie braucht – sehr praktisch für ihn.
Die Patienten sind tierisch, meisterhaft gestaltet von Mechthild Nienaber, und überzeugend gespielt und gesprochen von Pavel Möller-Lück: Ein Mops, der von Niesattacken gequält wird; Ein Pinguinpaar, das vor Monaten sein erstes Ei verlor. Seit dem Verlust schweigt sie, er redet dafür um so mehr. Ein typischer Fall von Verdrängung. Während sich Dr. Weltsch des Mannes annimmt, setzt sich Dr. März mit der Frau an den Flügel: Das Chopin-Stück für eine Hand und einen Schnabel ist die wohl anrührendste Szene des Stücks. Weitere Patienten sind eine Spinne, eine rastlose Eintagsfliege und ein Schimpanse – Sir Milton Choci, mit dem Möller Lück am Ende einen hinreißenden Tango aufs Parkett legt. Und Christine hat ihr Dasein als Projektion satt und wird selbstständig.
Waren auch die Therapievorschläge gegen Stress und Ängste aller Art eher befremdlich, die Behandlungsmethoden absurd – das Angebot einmal herzlich über sich selbst oder die mehrbödige Vielschichtigkeit der Inszenierung zu lachen, nahmen die Zuschauer gern an und verließen nach lang anhaltendem Beifall beschwingt die Vorstellung.