Rückblick

31. Pole Poppenspäler Tage 2014

La mort de Don Cristobal
Cie Pelele, Frankreich

Schieben Sie alles beiseite, was Sie aus Ihrer Kindheit an Erinnerungen hinsichtlich der Figur des Kasper in sich tragen. Dieser Kasper ist keine pädagogischer, der für saubere Zähne oder das Einhalten von Verkehrsregeln eintritt. Er ist ein rauer Geselle, geizig, hässlich, gewalttätig, fürchtet er nichts und niemanden – schon gar nicht den Tod. Aber er ist auch schlau, von mitreißendem Temperament und setzt sich jederzeit gegen jeden Charakter zur Wehr. Manchmal handelt er genau so, wie wir es gern tun würden, wenn wir uns denn trauten. Als das harmlos daher kommende Mütterchen, das für die Sauberkeit in Don Cristobals Heim sorgen soll, es auf seine geliebten Geldsäcke absieht, erkennt er blitzschnell die Situation. Und los geht eine furiose Jagd in der „das Mütterchen“ diesem Kasper in nichts nachsteht. Die Axt mit dem langen Stiel wird von beiden geschwungen. Auch der Steuereintreiber wird nicht zu Don Cristobals Freund. Wenngleich ausgesprochen wehrhaft und trickreich, ist er doch nicht gewitzt genug für den unsterblichen Helden. Die atemberaubenden Episoden des Don Cristobal werden hervorragend begleitet von den Geräuschen und der Akkordeonmusik von Alice Behaque. Wenn sich der Vorhang schliesst, und Paz Tatay vor die Bühne tritt um ihren Applaus entgegen zu nehmen, scheint es unvorstellbar, dass diese außerordentlich unterhaltsame Stunde allein von ihr und ihren Puppen bestritten wurde – dieses Klischee ereilt auch den „Figurentheatervielseher“ und es erfasst ihn Bedauern für alle, die nicht dabei waren.