Rückblick Pole Poppenspäler Tage 2014

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Das Schloss vor Husum und seine Frauen Frauentheatergruppe „5plus1“

Anstelle einer Stadtführung mit besonderem Schwerpunkt gab es in diesem Jahr eine Vorstellung der Amateurtheatertruppe 5+1 in der Schlosskapelle des Schloss vor Husum. Die Moderation übernahm die Stadtführerin Gertrud Hansen. Sie berichtete zu Beginn Historisches zum Schlossbau, der wie die Errichtung der Schlösser von Reinbek und Tönning durch Herzog Adolf von Schleswig-Holstein Gottorf vorangetrieben wurde. Die erste wichtige Frau im Schloss vor Husum war zweifelsohne die Herzogin Augusta (1580 – 1639). Sie baute das Schloss nach ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen aus, ließ Toiletten, Torhaus, Küchenhaus errichten und einen Blumengarten anlegen. Sie war fromm und wohltätig, spendete regelmäßig dem Gasthaus zum Ritter St. Jürgen. Außerdem pflegte sie enge Kontakte zu Anna Ovena Hoyers, die sich als Verfasserin frommer Bücher einen Namen gemacht hatte, jedoch verarmte und schließlich von Augusta an den schwedischen Königshof vermittelt wurde.
Die nächste wichtige Frau für das Schloss war die Schwiegertochter von Augusta, die Herzogin Maria Elisabeth (1610 – 1684). Sie soll einen verschwenderischen Lebenswandel gehabt haben. Belegt sind ein riesiger Hofstaat von über 80 Bediensteten und üppige Mahlzeiten, aber auch die Herausgabe der Schleswiger Bibel und des Husumer Hofgesangbuches mit über 400 Liedern. Ach ja, die Krokusse des Husumer Schlossgartens gehen auch auf Maria Elisabeth zurück.
Ab 1752 war das Schloss als Verwaltungssitz mit einer Wohnung für den jeweiligen Amtmann ausgestattet. Hier wurde 1827 die Malerin Charlotte von Krogh geboren. Sie erhielt von 1857 bis 1861 in Düsseldorf privaten Malunterricht bei Hans-Frederik Gude, einem norwegischen Landschafts- und Marinemaler. Charlotte Krogh malte vor allem Landschafen, die Bauern- und Fischerhäuser sowie die Schlösser und Herrenhäuser Schleswig-Holsteins und deren Innenräume. Fast fünfzig Jahre später wuchs im Schloss vor Husum die Tochter eines anderen Amtsinhabers heran: Franziska zu Renventlow. Sie machte sich nicht nur einen Namen als Schriftstellerin, Malerin und Übersetzerin. Ihr Wunsch nach Unabhängigkeit führte sie u.a. nach München, wo sie als „Schwabinger Gräfin“ berühmt wurde.
In der Neuzeit machte sich die Husumerin Irene Thordsen als Förderin von Kunst und Kultur auch mit der Unterstützung für die Restaurierung des Schlosses vor Husum einen Namen. Sie setzt damit die Reihe der wichtigen Frauen für das Schloss vor Husum ebenso fort wie die Gründerinnen des „Poppenspäler Museum im Schloss vor Husum“ Gila Terheggen und Gisela Sobeczko. Deren Engagement für ein Puppenspielausstellungshaus begann 1993 auf der Neustadt. Dass die Sammlung 2013 ihr Domizil im Schloss vor Husum fand, ist jedoch dem aktuellen (rein weiblichen) Vorstand des Pole Poppenspäler Förderkreis e.V. mit zu verdanken, dem es gelang, Sponsoren und Fördergelder für den notwendigen Umbau der Räumlichkeiten einzuwerben.