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Der Raupen wundersame Wandlung Theaterimkerei
Sanne Weber

Die Aufführung war eine Hommage an Anna Sibylla Marian (1647 – 1717). Geboren als Tochter des Kupferstechers Matthäus Merian, kam sie schon früh mit Kunst in Berührung. Viel wichtiger jedoch als die Förderung durch ihren Stiefvater, Jacob Marrel, war für Maria Sibylla ihre scharfe Beobachtungsgabe. In ihren frühen Jahren muss sie in sich gekehrt und versponnen gewesen sein. Viele Möglichkeiten zur Entfaltung ihrer künstlerischen Begabung wird sie nicht gehabt haben. Frauen, die durch Kunst ihren Lebensunterhalt verdienten waren im 17. Jahrhundert eher die Ausnahme. Fasziniert von Raupen und den aus ihnen entstehenden Schmetterlingen stellte sie den Zusammenhang zwischen Raupe, Futterpflanze und Schmetterling in ihrem zwischen 1679 und 1683 erschienen Raupenbuch erstmals dar. Es war wegweisend für die moderne Insektenkunde. Dieses Buch und seine mögliche Entstehung bilden den Mittelpunkt des Spiels von Sandy Sanne. Ein großer, bunter Falter steht am Beginn der Inszenierung. Singend und schreibend lässt sie die Zuschauer teilhaben an den Entdeckungen Maria Sibyllas. Auch kann man die völlig unterschiedliche Erscheinung der Raupen nachvollziehen, die in den verschiedenen Erdteilen beheimatet sind. Der mühsame Verpuppungsprozess der Tiere wird an einem Exemplar demonstriert, das dann in einem Gerüstring darauf wartet, als Schmetterling zu schlüpfen. Alle Handlungen von Sandy Sanne als Maria Sibylla Merian werden von Alexander Weber einfühlsam auf der Posaune und der Geige musikalisch begleitet. Er vermag hier ebenso das Brausen des Windes zu interpretieren, der Maria Sibylla nach Surinam bringt, wie das Schmatzen der Raupen, wenn sie sich ihrem Futtergeschäft widmen. Es ist eine rundum schöne, stimmige Inszenierung, die, zusammen mit den gezeigten Blumenbildern Maria Sibyllas, sicher den einen oder anderen Zuschauer angeregt haben wird, sich mit Leben und Werk dieser starken Frau zu beschäftigen.