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Drawing in Motion Theater Tineola, Prag
Theater Rafael
Zwischenraum, Berlin

Selten hat uns die modernste Technik so begeistert wie bei diesem brillanten und kreativen Stück.
Die Pragerin Michaela Bartonová zeichnet, auf der Bühne sitzend, mit behänder Leichtigkeit Szenen und Geschichten auf ihrem iPad, das diese wiederum zeitgleich auf eine große Leinwand, für alle Zuschauer sicht- und erlebbar, überträgt.
Stadt und Dschungellandschaften entstehen - sie fließen ineinander, entfalten und verändern sich. Das alles hat zu tun mit Leben, seiner Vielfalt, mit Tod, Vergänglichkeit, ja Vernichtung. Individualität versus Uniformität.
Geschichten über unsere Welt werden erzählt; exotische Tiere, Pflanzen und Landschaften entstehen und vergehen durch die Hand des Menschen.
Die Schönheit der Natur kontrastiert mit Gewalt, Angst und Hilflosigkeit in modernen Stadtlandschaften – alles entfaltet sich vor uns Zuschauern: gezeichnet, umgestaltet, wieder verworfen.
Dazu immer wieder die eindrucksvolle, konzentrierte Pantomime von Ralf Lücke vom Theater Zwischenraum in Berlin. Seine Bewegungen verschmelzen mit den Bildern, nehmen diese vorweg, gehen ihnen nach.
Die Vorstellung bot eine unvergessliche Darbietung zweier virtuoser Könner, die sich perfekt ergänzen. Machen sie dem Zuschauer vielleicht ein Angebot, die Welt bunt sein zu lassen, auf leise Töne zu lauschen und sich selbst als ein Teil des großen Weltgeschehens wahrzunehmen?
Michaela Bartonová meint es ernst mit der Vision, das Kreative bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zum Alltag zu machen. Sie sollen an der Methode und mit der Methode wachsen. Die bunte Veränderlichkeit könnte Programm werden, eine Art und Weise, sich mit der Welt auseinander zu setzen.
Nachdem sie als beratende Künstlerin Informatiker in Amerika beim Entwickeln dieses besonderen Zeichenprogrammes über Monate unterstützt hat, teilt sie ihr technisches Wissen auf dem simultanen iPad nun mit Anderen in Seminaren und Workshops.
Vielleicht kann sie ja die Menschen dort abholen, wo sie jetzt gerade angekommen sind. Unter Zuhilfenahme der Technik kann der ohnehin hoch technisierte Mensch nun durch neue Methoden des grafischen Programmes ein Stück weit zurückfinden zur Natur und deren Vielfältigkeit entdecken und wiederfinden.
Das künstlerisch-kreative Programm, auch als Therapieform anwendbar, regt auf alle Fälle spielerisch dazu an, spontan und neugierig immer wieder neue Wege zu gehen ...
Nicola Fischbach und Astrid Berger