Rückblick

30. Pole Poppenspäler Tage 2013

Frauenwege in Husum
Frau Hansen, Stadtführerin der Stadt Husum

Die Husumer Stadtführerin Gertrud Hansen nahm Gäste der Pole Poppenspäler Tage mit auf eine besondere Entdeckungsreise durch die Stadt Husum. Hier finden sich zahlreiche Spuren von Frauen, die für die Stadtentwicklung wichtig waren oder die ein für ihre Zeit bemerkenswertes Leben führten. Frau Hansen begann die Führung im Schloss, das Anfang des 17. Jahrhunderts eine Wirkungsstätte von Herzogin Augusta, der Witwe des Johann Adolf von Schleswig-Holstein Gottorf war. Die 1580 geborene dänische Prinzessin wurde mit ihm als 15-jährige vermählt. Nach seinem Tod 1616 lebte sie überwiegend im Schloss vor Husum das zu ihrem Wittum gehörte. Dies ließ sie prächtig ausbauen und sie ließ wohl auch die Krokusse pflanzen, deren Blütenpracht im Husumer Schlosspark jedes Jahr im Frühling zahlreiche Besucher anzieht. Ab 1752 war das Schloss als Verwaltungssitz mit einer Wohnung für den jeweiligen Amtmann ausgestattet. So wurde hier 1827 die Malerin Charlotte von Krogh geboren. Sie erhielt von 1857 bis 1861 in Düsseldorf privaten Malunterricht bei Hans-Frederik Gude, einem norwegischen Landschafts- und Marinemaler. Charlotte Krogh malte vor allem Landschafen, die Bauern- und Fischerhäuser sowie die Schlösser und Herrenhäuser Schleswig-Holsteins und deren Innenräume. Fast fünfzig Jahre später wuchs im Schloss vor Husum die Tochter eines anderen Amtsinhabers heran: Franziska zu Renventlow. Sie machte sich nicht nur einen Namen als Schriftstellerin, Malerin und Übersetzerin. Ihr Wunsch nach Unabhängigkeit führte sie u.a. nach München, wo sie als „Schwabinger Gräfin“ berühmt wurde. Neben dem Schloss gibt es in Husum noch zahlreiche andere Plätze und Häuser in denen unabhängige oder besondere Töchter der Stadt lebten: z.B. die 1867 geborene Margarete Böhme, die vor allem mit ihrem 1905 erschienen Roman „Tagebuch einer Verlorenen – Von einer Toten“ Furore machte. Das Werk wurde in viele Sprachen übersetzt und mehr als 1,2 Millionen mal verkauft. In Form eines Tagebuchs schildert Böhme den Lebensweg der Apothekerstochter Thymian Gotteball. Mutterlos aufgewachsen in einer kleinen Stadt in der Marsch wurde sie zur Prostituierten und schließlich zur gräflichen Mätresse. Damit griff Böhme ein Thema auf, das um 1900 weitgehend tabuisiert war. Das Geburtshaus Margarethe Böhmes, damals 5. Quartier Nr. 111, gehörte der 1847 geborenen Lena Wies, einer Erzählerin. Sie teilte Theodor Storm zahlreiche plattdeutsche Märchen mit und war die Tante von Margarete Böhmes Mutter. Schlusspunkt der Führung war der 1902 eingeweihte Tinebrunnen auf dem Husumer Marktplatz. Er ist u.a. der 1793 geborenen Katharina Asmussen gewidmet, die zusammen mit ihrem Cousin August Friedrich Woldsen eine Stiftung gründete, die bis heute Beiträge zum kulturellen und sozialen Leben der Stadt Husum leistet. Dem in Husum geborenen Bildhauer Adolf Brütt stand für die Tine-Statue die junge Husumer Angestellte des Thomas Hotel Dora Fuchs Modell. Diese und weitere „Frauenwege“ sind in einer Broschüre der Stadt Husum zusammengefasst und ermöglichen jederzeit noch mehr Entdeckungen.