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Anne Frank - verstecktes Leben Fliegendes Theater, Berlin

Anne Frank war gerade 13 Jahre alt geworden als sich ihr Leben radikal veränderte. Zu ihrem Geburtstag am 12. Juni 1942 hatte sie das Tagebuch geschenkt bekommen, in dem sie in den folgenden Jahren des Eingesperrtseins und der Angst ihre Gedanken und Erlebnisse niederschrieb. Als „Tagebuch der Anne Frank“ ist es ein unbestechlicher Zeitzeuge, wie weitgehend und nachhaltig die Repressionen der nationalsozialistischen Besatzer das Leben der Niederländer und vor allem der jüdischen Bevölkerung bestimmten.
Die nationalsozialistische Bedrohung hatte Anne, die 1929, also nur vier Jahre vor der Machtergreifung, geboren wurde, fast ihr ganzes Leben begleitet. 1940 besetzten die Deutschen die Niederlande. Die Eltern Frank versuchten mit ihren Kindern so viel Normalität wie irgend möglich zu leben. Schwierig genug, wenn man sein Hab und Gut verliert und eigentlich immer auf dem Sprung ist um sich einer Bedrohung zu entziehen. Parallel wird die Fluchtwohnung vorbereitet. Eindrücklich schildert Rudolf Schmid vom Fliegenden Theater die Nacht im Juli 1942, in der Anne und ihre Familie dort untertauchen. Die 50 Quadratmeter Hinterhaus sind kein vorübergehende Domizil für bis zu acht Menschen, sondern einzig möglicher Überlebensort für die kommenden Jahre. Lebensmittelbeschaffung war ebenso gefährlich wie ganz normale Alltagsgeräusche oder Licht zur Unzeit. Doch nicht nur die Machthaber und ihre Tötungsmaschinerie stellten eine Bedrohung dar. Über Amsterdam tobten auch die Ausläufer des Luftkrieges. Jederzeit konnte das Hinterhaus von einer Bombe getroffen werden. Wie systematisch die Ausrottung des einen Volkes und die Unterdrückung anderer Völker betrieben wurde, wird durch Einspielung von Originalstimmen z.T. aus den Nürnberger Prozessen deutlich. Diese Inszenierung führt nachhaltig vor Augen auf wie leisen Sohlen sich Rassismus und Machtgier ganz durchschnittlicher Menschen bemächtigen, die einfach nur „ihre Arbeit gut tun“ oder „nach Recht und Gesetz“ leben wollen. Eindrucksvoller lässt sich das Thema auf der Bühne kaum darstellen. Zurück bleibt die Frage: Hätte ich den Mut gehabt zu widerstehen?