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Variete Olymp Hohenloher Figurentheater, Herschbach

Der höchste Rang eines Theaters, also die höchste Empore, auf der sich Sitz- und Stehplätze befinden, die Galerie, war im 18. Und 19. Jahrhundert ein Schmelztiegel des Theaterpublikums, weil sich hier Jugendliche, Soldaten, Dienstboten und Intellektuelle mischten. Diese Galerie wurde ironisch auch Olymp genannt, weil die niedrigste soziale Schicht am höchsten platziert war. Der im Zweiten Weltkrieg gedrehte französische Film „Kinder des Olymp“ mit seiner Personenkonstellation – geheimnisvolle femme fatal und vier Männer, die sich ihrer Faszination nicht entziehen können – ist Grundlage des Spiels. Zusammen mit Nis Sorgaard verwob Harald Sperlich Charaktere und Handlung des Films mit Elementen seiner eigenen Theaterfamiliengeschichte und siedelte das Ganze im Varietémilieu an. Harald und Johanna führen als Erzähler in die etwas verwickelte Story ein. Da gibt es Martha Lecoeur, das berühmte „singende Herz“. Das Kleid ihrer Tochter wird am Strand gefunden, die Tochter ist verschwunden. Da sind der undurchschaubare Magier Magnus Nada und Josef Lerire, „der lustigste Clown der Welt“, der unrettbar in Martha verliebt ist. Durch das Varietéprogramm führt Anton Zwetschge der eine enge Verbindung zu Herbert Grunz, dem „ältesten Hund der Welt“ hat. Im Varieté treten außerdem als Kunstmarionetten auf: die Rollschuhläuferin Pauline, Marie Lerire mit Reifen am Trapez, der Nagelbrettkünstler Emil Nada sowie die Kunstreiterin Mademoiselle Muckel. Für letztere hatte der Figurenbildner Günther Weinhold eine Fotographie von Irmgard Sperlich von 1925 als Vorlage. Klassisches Marionettentheater mit traditionellem Hintergrund perfekt in Szene gesetzt – das Hohenloher Figurentheater zeigte Figurentheater auf dem gewohnt hohen Niveau und bescherte den Zuschauern einen wunderbaren Theaterabend.