Rückblick Pole Poppenspäler Tage 2013

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Michael Kohlhaas THEATRIUM Figurentheater, Dresden

Diesen Klassiker des Menschentheaters inszenierte Detlef Heinichen kurz nach der Wende und der Wiedervereinigung Deutschlands. Eine geheimnisvolle Frau rät dem glücklich verheirateten Pferdehändler Kohlhaas dringend ab, die schönsten Pferde zu kaufen, die er je gesehen hatte. Und sie gibt ihm ein Amulett, das dereinst sein Leben retten soll. Damit nimmt das Drama seinen Lauf. Überzeugend agieren die Tischfiguren: der Rosshändler Kohlhaas und sein treuer Diener, die geheimnisvolle Frau, der gierige Landesherr und sein verschlagener Berater. Denn die Obrigkeit hat immer den längeren Arm und auch in der Jurisdiktion greifen Interessen von Seilschaften. Da hackt keine Krähe einer anderen ein Auge aus, auch wenn dem einen oder anderen Gesetzeshüter Bedenken kommen. Eindrucksvoll wird dieser Widerstreit ausschließlich in Gesten der Spielerhände, nicht durch Figuren, dargestellt als Kohlhaas Fall endlich die Gerichte erreicht. Dazu die Stimme aus der Dunkelheit, die Entscheidung, auf Zeit zu spielen. Wahrscheinlich könnte Kohlhaas den Verlust der Pferde verschmerzen, doch er kann nicht mehr nachgeben, verstrickt sich in Rachefeldzüge und verliert schließlich alles – auch sein Leben. An der Moral von der Geschicht’ hat sich bis heute nichts geändert: Recht haben heißt noch lange nicht Recht bekommen. Ein frustrierendes Fazit eines eindrucksvollen Theaterabends.