Rückblick

30. Pole Poppenspäler Tage 2013

Die Nachtigall
Theater Miamou, Berlin

In China, weiß man, wohnen die Chinesen. Dort ist selbst der Kaiser ein Chinese. Mirjam Hesse liegt mit übereinandergeschlagenen Füßen auf ihrem Märchenthron, liest aus einem Buch und führt uns so in die Geschichte Hans Christian Andersens ein. Sie erzählt von der Nachtigall, deren Gesang in allen Büchern und Reiseberichten, die über das Reich geschrieben wurden, als das Schönste dort überhaupt beschrieben werden. Doch die Menschen in den prächtigen Gemächern sind so in ihrer Welt befangen, dass sie nicht in den Wald gehen, die Stimme der Nachtigall gar nicht wahrnehmen. Nur das kleine Küchenmädchen freut sich jeden Abend auf ihrem Heimweg durch den Wald an dem Gesang. Als der Kaiser auf seinem Thron, in seinen Gemächern hört und liest, dass es in seinem Land etwas so staunenswertes wie die Nachtigall gibt und er sie nie wahrgenommen hat, lässt er sie suchen. Aufgeregt wuseln Flachfiguren durch die Szene. Wenn der Hofstaat den Vogel nicht findet, „soll ihm nach dem Abendessen auf dem Bauch herumgetrampelt werden“. Mirjam Hesse zeigt uns in ihrer Inszenierung poetische Bilder vom kaiserlichen Hof, zeigt uns die Pracht des mechanischen Vogels, der die lebendige Nachtigall verdrängt. Sie nimmt uns mit in die Gemächer des kranken Kaisers, der nur durch den Gesang der lebendigen Nachtigall wieder genesen kann. Die Kinder ließen sich auf die ruhige Erzählweise der Künstlerin ein und folgten dem Geschehen bis zum Schluss gebannt. Es war eine zauberhafte Aufführung, in der sich auch die anwesenden „Großen“ verlieren konnten.