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Theater mit Hand und Fuß Anne Klinge, Weißenohe

Theater mit Marionetten? Ist bekannt. Theater mit Handpuppen? Ist bekannt. Theater mit Tischfiguren? Kann man auf dem Festival auch häufig sehen. Theater mit Hand und Fuß??? Anne Klinge aus Weißenohe zeigte, wie das möglich ist. Nach einer kurzen Einführung in ihr Szenenprogramm, die sie auf dem großen Podest sitzend im Südflügel gab, ließ sie sich auf den Rücken inmitten ihre sorgsam angeordneten Requisiten fallen. Ihre Beine steckten in einer Art weiße Pumphose, die einen recht neutralen Hintergrund für die Kostüme der Protagonisten in den unterschiedlichen Geschichten abgab. Mit einem Gummiband wurde eine Nase über die Fußsohlen gezogen, auf die Zehen eine Perücke gestülpt und schon war die Illusion eines Figurenkopfes perfekt. Augen oder Mund vermisste man keineswegs. Häufig waren gleich zwei Handelnde auf der Bühne, was eine richtig gute Choreographie verlangte, weil Anne Klinge mit ihren zwei Armen und Händen beide Charaktere ausstatten musste, also so tun, als ob es jeder Körper komplett sei. Kurzweilig agierten die „Figuren“ vor den Augen der Zuschauer: Der gestresste Kellner, der nicht nur seinen Job tun muss, sondern darüber hinaus auch noch ein Kind versorgen soll. Die alternde Chansonette, die ihr spätes Glück zu finden glaubte und sich am Ende betrogen fühlte. Die Hausmeister, der seinen vielgestaltigen Aufgaben gerecht werden muss. Wie ausdrucksstark Füße agieren können, hätte man sich nie träumen lassen. Höhepunkt war zweifelsohne der Schleiertanz der Hausfrau, die sich unversehens in eine Femme fatal verwandelte, und einen gekonnten Striptease hinlegte – so sexy können Waden sein!
Die Technik für diese Ausdrucksstärke entwickelte Anne Klinge zusammen mit ihrem Mann Werner Müller. Es war, als ob sich eine konventionelle Ganzkörperpantomime auf die Füße konzentrierte. Hier kriegten Sohlen wirklich Seelen – wunderbar.