Rückblick Pole Poppenspäler Tage 2012

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Wi Mookt Allens (op) Platt Gerd Spiekermann, Momsen & Henning Kothe, Hamburg

Shantys und Schnacks mit viel Tempo und Hintersinn!
Am Ende bekamen die Zuschauer der Abschlussveranstaltung der Pole Poppenspäler Tage 2012 doch noch, was sie wollten: ihre Shantys. Angekündigt war beim plattdeutschen Abend mit dem vielversprechenden Titel „Wi mookt allens (op) platt“ Fiete Hansen vom Shantychor „Lütt und Lütt“, begnadeter Sänger dieses speziellen maritimen Liedguts. Der tauchte zwar den ganzen Abend über nicht auf, dafür schmetterte aber Tenor Henning Kothe – eigentlich abonniert aufs klassische Fach – letztendlich aus voller Brust und bei hervorragender Stimme den „Hamborger Veermaster“, „Rolling home“ oder „My Bonny is over the ocean“.
Bis dahin hatten die Besucher dieses Abends, der in Kooperation mit dem „Fördervereen Plattdüütsches Zentrum“ Leck stattfand, schon viel an plattdeutschen Döntjes gehört, denn Gastgeber Werner Momsen, auch hier souverän von Puppenspieler Detlef Wutschik aus Hamburg geführt, konnte doch noch den Verteller Gerd Spiekermann auf der Husumer Bühne begrüßen, der vermeintlich im Stau stecken geblieben war!
Der vom NDR bekannte Plattredakteur gab in bedächtiger und fein hintersinniger Manier die große Senf-Leidenschaft seines Vaters – die mittlerweile nun seine eigene geworden ist – , die besondere Faszination von neu renovierten Gästeklos bei Besuchen in der Nachbar-schaft und manch‘ anderes Geheimnis preis. Im plattdeutschen Duo mit Momsen wurde über „Gott und die Welt“ philosophiert, nachdenklich bis heiter, zum stillen Schmunzeln und herzlichen Mitlachen.
Immer wieder unterbrochen wurden die beiden von den klassischen Weisen des Pianisten und Tenors Henning Kothe – formvollendet in Frack mit Fliege gekleidet – , der nicht nur das „Ave Maria“ stimmlich souverän meisterte, sondern auch manche bekannten Töne von Bach bis Mozart gekonnt anklingen ließ. Ganz klar: hier stand ein überzeugter E-Musiker, der auch sein Publikum überzeugen wollte. Doch nach einer kurzen Einlage als „Elvis“ reichte Kothe am Ende der Griff zum Elbsegler als neue Kopfbedeckung, um ins U-Fach zu wechseln und sein Publikum nun endgültig zu überzeugen – siehe oben!
Zweifelsohne ein sehr kurzweiliger Abend im Zeichen des Plattdeutschen mit viel Tempo, Musikalität und „Schalk im Nacken“. Als am Ende dann alle im Publikum gemeinsam mit Werner Momsen und seinen Mitstreitern die Hamburger Hymne vom „Jung mit dem Tütel-band, der an de Eck steiht“ anstimmten, war klar: die Drei dürfen gern mal wieder nach Husum kommen!
Kirsten Schöttler-Martin