Rückblick

29. Pole Poppenspäler Tage 2012

Der Schimmelreiter
Kobalt Figurentheater, Lübeck

Der Schimmelreiter, eines der wichtigsten Werke Theodor Storms, wurde mehrfach verfilmt und war auch Gegenstand einer Auftragsoper für Wilfried Hiller durch das Kieler Opernhaus. Diesen Musik- und Bilderwelten fügte das Kobalt Figurentheater nun eine Inszenierung mit Marionetten von Antje Hohmuth und der Musik von Dietmar Staskowiak hinzu. Filmische Elemente flossen durch die Projektionen von Strand- und Baummotiven ein. Der Zusammenstoß von Aberglauben und Fortschrittswillen nahm seinen Ausgang beim Skelett eines Pferdes auf einer Sandbank. Ein Geisterpferd – verhext wie der Schimmel von Hauke Haien? Jedenfalls ein kenntnisreicher Führer durch die Geschichte des intelligenten Jungen aus der Unterschicht, der es durch Fleiß, Lerneifer und Förderung zum Deichgrafen bringt. Missgunst und Neid der Alteingesessenen, Verteidigung von Pfründen, ein Beharren auf Traditionen, das Neues nicht zulässt, verflechten sich zu einem Netz in das sich persönliches Unglück nahtlos einfügt und letztlich fast zwangsläufig zum Scheitern von Hauke Haien und seinem auf Beobachtungen fußenden, zukunftsweisenden Deichbau führt. Einfühlsam spüren Stefan Schlafke und Silke Technau all diesen wesentlichen Elementen nach und geben ihnen glaubwürdige Bilder: dem Tratsch in der Kneipe, den scheinbar nebensächlichen Bemerkungen, die eine für den Deichgrafen nachteilige Wendung nehmen, der unverbrüchlichen Liebe Elkes zu Hauke, der Ungeduld Haukes mit dem Aberglauben seiner Mitbürger und Untergebenen, seiner Sorge um das Wohl der Familie und auch der ganz eigenen Erlebniswelt von Haukes und Elkes spätgeborener Tochter …… Eine sehenswerte Umsetzung der Storm’schen Novelle, die eine ganz eigene Dynamik entwickelt und bereits vorhandene Interpretationen des Werkes um eine Variante bereichert.