Rückblick

29. Pole Poppenspäler Tage 2012

Grimmiges für Große
Lille Kartofler Figurentheater, Langenfeld

Die „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm haben wohl die Kindheit von uns allen mehr oder weniger begleitet. Auch durchlebten die unterschiedlichen Neuauflagen in den vergangenen 200 Jahren immer wieder Veränderungen. Die Favoriten wechselten, einige verschwanden gar völlig aus dem Druckwerk. Auch die Beurteilung der Märchen wandelt sich ständig. Den einen ist es eine gute, lehrreiche Unterhaltung für Kinder, den anderen sind einige der Märchen viel zu grausam. In einer Art Vorspiel ging Mathias Kuchta genau darauf ein. Er verwies auf die weniger geläufigen und zum Teil sehr grausamen Märchen bzw. auf die Stellen im Märchen, die sehr grausam sind. Mord, Totschlag, Kindesmisshandlung, Kanibalismus – alles ist vorhanden bei Aschenbrödel, Hänsel und Gretel, Schneewittchen und Co. Die Beispiele aus den Märchen standen in scharfem Kontrast zu den teilweise enthusiastischen zeitgenössischen vorgestellten Kommentaren und provozierten so eine teils verlegene, teils amüsierte Stimmung im Publikum. Diese Kontroversen setzten sich im Spiel fort: Ein Frosch, der keine Lust mehr hat, im Märchen aufzutreten. Ein Schwein, das ihn sehr gern vertreten würde – bis zum Kuss! Und natürlich waren König und Königin „Menschen wie Du und ich“. Darin glichen sie den Charakteren aus den Kindervorstellungen des Lille Kartofler Figurentheater, in denen die Helden auch mit den ganz normalen Unbillen des Alltags zu kämpfen haben aber dennoch stetig ihr Ziel verfolgen. Es war eine unterhaltsame Vorstellung, bei der man zuweilen tief in seinen Erinnerungen graben musste – wie ging das nochmal im Orginal?? – und die Lust machte, sich wieder einmal mit den Märchen der Kindheit zu beschäftigen um ihnen vielleicht ganz neue Aspekte abzuringen.