Rückblick

29. Pole Poppenspäler Tage 2012

Puppenspieler stellen sich vor
Matthias Kuchta, Dr. Astrid Fülbier

In diesem Jahr plauderte Poppenspäler „Urgestein“ Matthias Kuchta mit der Gastgeberin Dr. Astrid Fülbier und zahlreichen Fans über sein Figurenspiel, seine Inspiration und Zukunftspläne. Aufmerksam begleitet wurde er dabei von dem Wolf aus „Der Wolf und die sieben Geißlein“. Dieses Stück hatte Kuchta ebenso wie Dornröschen schon häufiger in Husum an verschiedenen Spielorten im Südflügel, im NordseeMuseum oder als Straßentheater gezeigt. Der Wolf gab auch einen Hinweis darauf „wie alles begann“. Fasziniert vom Bread and Puppet Theatre Peter Schumanns kam für Matthias Kuchta nur ein Spiel mit Großfiguren in Frage. Mit Mechthild Niehaber fand er eine geniale Figurengestalterin, die seine Ansprüche und Wünsche genau erfasste und umsetzte. Und so prägte er seinen ganz eigenen Stil: Er spielt auf dem Boden, zieht seinen „Spielkreis“ aus dem die Figuren nur mit seiner Erlaubnis hinaus, die Kinder nur mit seiner Erlaubnis hinein dürfen. Er konzentriert sich auf wenige Figuren, die, obwohl Teil des Märchens, immer auch ganz gegenwärtig modern sind mit ihren Wünschen und Eigenheiten – Puppen als „Menschen wie Du und ich“, aber dennoch einen Tick anders. Sein indisches Stück „Sanjay und sein Meister“ das 2011 in Hamburg uraufgeführt wurde, entstand innerhalb weniger Wochen und ging dann sehr erfolgreich in Indien auf Tournee. Dort zeigte er das Stück in englischer Sprache. Diese spricht er ebenso wir Französisch und Russisch fließend. Und das erleichtert sicherlich den Zugang zu internationalen Aufführungsorten. Matthias Kuchta erzählte faszinierende Geschichten, Beispiele wie Märchen in verschiedenen Kulturkreisen aufgenommen werden. Szenen, die in Deutschland einfach zum Spiel gehören, können anderswo schwierige Reaktionen hervorrufen. Da gilt es Ruhe zu bewahren und manchmal auch zu schlichten. Und was wird Matthias Kuchta machen, wenn er nicht mehr als Puppenspieler unterwegs ist? Zur Zeit beschäftigen ihn Märchen mit all ihren Facetten ganz besonders. Märchen vorzulesen, sie zu erzählen, ihnen durch die Art der Erzählung eine bestimmte Richtung zu geben. Märchen ohne Änderung eines Textes, ohne Erläuterungen zu interpretieren, ihnen so seine persönliche Prägung zu verleihen ist die große Herausforderung der sich der Figurenspieler Matthias Kuchta in den kommenden Jahren intensiver stellen wird. Und hier schließt sich der Kreis, denn Märchen kann man, wie Straßentheater fast überall erzählen, und wer weiß: vielleicht ist Herr Wolf ja wieder dabei. Wir danken Matthias Kuchta für diese ausgesprochen kurzweilige „Vorstellungsstunde“.