Rückblick Pole Poppenspäler Tage 2012

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Kasper tot. Schluss mit lustig? Lutz Großmann, Berlin

Mit der allgemein geläufigen Vorstellung vom fröhlichen, netten, manchmal auch etwas naiven Kasper und seinen Mitstreitern hatten die Figuren im Stück von Lutz Großmann bei den Pole-Poppenspäler-Tagen nicht viel zu tun. Das wurde schon in seinem Titel deutlich: „Kasper tot. Schluss mit lustig? – Handpuppenspiel auf der Grenze zwischen Leben und Tod“.
Dunkle Gestalten, der Teufel, ein mysteriöser Arzt und der Tod selber hatten sich verbündet, um ihm seine Seele zu nehmen. Und auch der König ist ihm nicht wohlgesonnen, denn ein Nichtsnutz, der nicht arbeitet, keine Steuern zahlt und keine Kinder in die Welt setzt, der hat eigentlich keine Existenzberechtigung mehr, nicht einmal im Reich der Fantasie und seiner Puppen. So beginnt der Regent nicht nur eine Hetzjagd auf den armen, zu alledem auch noch von Selbstzweifeln geplagten Kasper, sondern spannt ihm auch noch seine Gretel aus.
Einen schnellen Reigen der Verfolgungen, Verwünschungen und Bekenntnisse bietet Lutz Großmann dem Zuschauer mit seinen beeindruckenden Handpuppen in schaurig-schöner Maske; für den Berliner Puppenspieler (Spiel und Puppen) gleichzeitig seine Diplomarbeit. Hohe Konzentration ist von Nöten, um allen Gedankengängen und Plänen zu folgen, große Faszination gegeben! Auch in diesem düsteren Szenario ist und bleibt der Kasper der Sympathieträger für sein Publikum, der mit leisen und lauteren Tönen, mit frechen Sprüchen und finsterem Humor seinen Schicksalsweg kommentiert.
Am Ende gelingt es ihm mit einer List und seiner Großmutter, die des Lebens müde in dem Grab ihre letzte Ruhe findet, das von den dunklen Gesellen für Kasper vorgesehen war, doch noch alles zu einem glücklichen Schluss zu bringen. Seine rastlose Flucht ist zu Ende und so stehen die Chancen gut, dass es für Klein und Groß auch weiterhin heißen kann: Tritratrallala – seid ihr alle da?!
Kirsten Schöttler-Martin