Rückblick Pole Poppenspäler Tage 2012

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Les funestes épousailles de Don Cristobal La Cie Pelele, Frankreich

Schon der Bühnenrahmen verhieß ein Spiel mit tiefschwarzem Humor: Kasper vor dem leuchtenden Mond am Sternenhimmel als Herr über Tod und Teufel! Der Vorhang öffnete sich und quicklebendig erschien er und schleppte zunächst einmal seinen offenbar liebsten Besitz herbei: schwere Beutel mit Goldstücken gefüllt. Auf diesem kuscheligen Platz lässt sich hervorragend schlafen und träumen – von weißen Geldsäcken, von einer Frau aus lauter Geldsäcken??? Da hält es den Kasper nicht auf seinem Besitz, diese Frau muss er erobern! Doch das ist nur der Auftakt einer Reihe von Eroberungen. Dieser Kasper lässt nichts anbrennen und trifft offenbar auf Gegenliebe. Nach einem Zwischenspiel mit einem Pferd, das sich langmachen kann, wie eine Ziehharmonika, erscheint die Frau in Rot. Eine richtige Femme fatal, die Spaß daran hat, sich herauszuputzen und, wie die zahlreichen Einkaufstüten zeigen, extrem gern shoppen geht. Auf Dauer ist das natürlich nichts für jemanden der gern, wie Dagobert Duck, auf seinen Geldsäcken schläft. Also – fort mit ihr! Und weil Kasper schlau ist, sucht er sich lieber eine bescheidenere Person. Szenenwechsel: Ein Raum mit einer Orgel und Kasper ist fasziniert von der Orgelspielerin. Die muss er unbedingt erobern. Und dafür zieht er alle Register! Halb zog er sie, halb sank sie hin . . . Doch auch dies ist nicht „die Richtige“. Aber mit der nächsten Frau findet Kasper eine größere Herausforderung, denn hier bleibt es nicht bei einem kurzfristigen Abenteuer. Familiengründung ist angesagt. Die Bambini, alle entzückend mit roten Mützchen, kommen Schlag auf Schlag in immer schnellerem Tempo. Und werden immer fordernder, verschlingen schließlich die Mutter. Da ist kein Kasper, der zur Hilfe eilt. Von ihm ist genau genommen nix zu sehen. Bis sich die Brut auf die Suche nach ihrem Erzeuger macht und er sie fortschafft. Ein Kreuz und Kasper.
Eine Frau in Schwarz und Kasper wieder auf Verführungsjagd. Doch diesmal ist die Frau der Tod in Verkleidung, was Don Christobal aber nicht daran hindert auch hier sein Vergnügen zu suchen und zu finden. Schlussbild mit Tod als Sensenmann und endgültiges Schlussbild von Don Christobal mit Pferd – the lonesome Rider?
Tiefschwarzer Humor und ein turbulentes, herausragend gutes Figurenspiel summierten sich in der Nachtvorstellung zu einer wahren Sternstunde des Festivals!