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La mort de Don Cristobal La Cie Pelele, Frankreich

Dass den Zuschauer etwas Besonderes erwartet, merkt man bereits beim Betreten des Rittersaales im Schloss zu Husum. Auf dem erhöhten Podium steht nur eine kleine, antik wirkende Kasperbühne mit schwerem, samtenen roten Vorhang. Dazu erklingen mediterran anmutende Weisen, gespielt auf einem Akkordeon von einer jungen Frau, die mit unbewegter Miene auf einem kleinen Schemel sitzt. Schließlich, als der Vorhang aufgeht, sind wir gleich mittendrin und lernen die spanische Variante des Kaspers, den Don Cristobal, sogleich als temperamentvollen, dynamischen Charakter kennen, der sich am Leben zu erfreuen scheint, insbesondere an dem Glanz seines Geldes, das in dicke Säcke gebündelt, vor ihm liegt. Es ist beinahe ansteckend, mit welch diebischer Freude er die Säcke abwechslungsweise abherzt und küsst. Doch müsste man nicht das Leben kennen, wenn diese überschäumende Freude von Dauer sein sollte. Schon erscheint auf der Szene sein natürlicher Feind, der nicht minder gut gelaunte Steuereintreiber, der sich als äußerst hartnäckiger und penetranter Widersacher erweist. Nachdem Don Cristobal mehrmals versucht, ihn durch allerhand Tricks und List zu verwirren und los zu werden, greift er ohne Umschweife zu härteren Bandagen. Dabei drischt er nicht nur auf ihn ein, dass es nur so kracht, sondern verdreht dem Beamten erst im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf, bevor dieser während der heftigen Scharmützel gar gänzlich verloren geht, natürlich nur vorübergehend. Der erlangte Friede scheint abermals gefährdet, als sich ein Don Cristobal wohlbekanntes, altes Hexenweiblein seiner Reichtümer bemächtigen will. Es gelingt ihr schließlich, dem gierigen Geizling eine selbst gebraute Suppe zu verabreichen, deren hoch giftige Zutaten ihn schleunigst ins Jenseits befördern sollen. Nun also tritt der Tod daselbst, in Gestalt des klassischen Knochenmannes in Aktion. Aber Don Cristobal zu holen ist alles andere als einfach. Dieser wehrt sich nach Leibeskräften. Als sich die Sache auch durch eine polternde Schlacht, in der es derbe Hiebe auf beiden Seiten nur so hagelt, nicht aus dem Weg räumen lässt, greift Don Cristobal erneut zu einer List. Es gelingt ihm, Gevatter Tod so viel Alkohol zu verabreichen, dass dieser sentimental weinerlich wird und sich schließlich, vom schlauen Don Cristobal „betreut“ in den Sarg zur Ruhe legen lässt, der eigentlich für den reichen Lebemann Cristobal selbst bestimmt war.
Die Aufführung ist voll von komischen Szenen, die vom Schmunzeln bis hin zum lauten Lachen davon zeugt, das es dem charmanten spanisch/französischen Gespann Paz Tatay und Alice Behaque mit gekonnter Leichtigkeit gelingt, die Geschichte umzusetzen. Die von der Französin Behaque zur Untermalung gespielte Livemusik und produzierten Geräusche setzten dem Ganzen noch die Krone auf. Die an sich skrupellose, egoistische Figur des Don Cristobal wird durch die derb humorige Darstellung geradezu zu einer Art Sympathieträger, dem man seinen Charakter ob seiner Raffinesse durchaus verzeiht – ein Schelm, wer Böses dabei denkt…
A.Berger und N.Fischbach