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Östlich der Sonne, westlich vom Mond Theater auf der Zitadelle, Berlin

Eine Aufführung, zwei Figurenspieler, drei Stücke, drei Regiehandschriften. „Östlich der Sonne und westlich vom Mond“ nahm die Zuschauer mit auf eine Reise durch die Märchen der Welt. Verbindendes und zugleich zentrales Element der Bühnengestaltung war die runde Scheibe der Sonne – oder des Mondes – oder war es doch die Erdkugel? Als letztere wirkte sie vor allem ganz am Anfang der ersten Geschichte, als man mit die verschiedenen Kontinente auf ihr erkennen konnte. Sie war aber auch, wie eine riesige Abendsonne, Hintergrund für die beiden blau gewandeten Gestalten, die in das Spiel einführten. Ob aber nun Sonne, Mond oder Erdkugel – alles ist überall auf diesem Planeten. Die Geschichten, die gespielt wurden, führten schließlich rund um die Welt. Auf der Sonnenscheibe, aus einem stilisierten Beduinenzelt heraus wurde das Märchen von Iskender erzählt und gespielt. Er sieht anders aus als die Menschen unter denen er aufwächst. Er ist ein in sich gekehrtes Kind, das oft am Meeresstrand zu finden ist, wo es den Vögeln lauscht. Iskender hört mehr als alle anderen in seinem Fischerdorf. Seine Mutter erträgt all das nicht und stiftet den Vater an, das Kind fortzuschicken. Der Vater setzt es schweren Herzens in einer Kiste auf dem Meer aus. Iskender wird von einem Sklavenschiff aufgenommen und an einen Sultan verkauft. In dessen Reich wächst er heran, findet einen Freund und muss am Ende doch seiner Bestimmung folgen.
Eine ganz andere eher slapstickartige Stimmung prägte das norwegische Märchen von den drei Böcken. Um eine besonders gute Weide zu erreichen, müssen sie eine Brücke überqueren, die von einem bösartigen Troll bewacht wird. Zusammen schaffen sie es, den Troll zu besiegen und den guten Weidegrund zu erreichen.
Die dritte Geschichte führte nach Japan. „Das Kranichmädchen“ ist eine junge Frau in Vogelgestalt, die aus ihrem Gefieder einen kostbar schimmernden Stoff webt. Dieser soll der Familie, die sie einst rettete und bei sich aufnahm zu Wohlstand verhelfen. Die große Sonne wird zur runden Leinwand auf der Zeichnungen die Erzählung illustrieren und so eine ruhige und sehr poetische Stimmung entstehen lassen.
Diese Aufführung zeigte nicht nur, wie vielseitig Figurentheater ist, sondern auch, wie facettenreich das Theater auf der Zitadelle agieren kann.