Rückblick Pole Poppenspäler Tage 2011

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Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran Theater Laboratorium, Oldenburg

Berührend!
Bereits das Buch von Eric Emanuel Schmitt hatte mich begeistert. Die Inszenierung von Pavel Möller Lück vor ein paar Jahren hatte mich schon beeindruckt, doch diesmal war ich von seinem Spiel außerordentlich berührt.
Pavel Möller Lück gelang es, die Beziehung des kleinen Momo zu seinem strengen Vater und zu dem lebenserfahrenen Monsieur Ibrahim in den unterschiedlichsten Facetten darzustellen und tiefgreifend zu erzählen.
Um diese atmosphärische Erzähldichte zu schaffen, bedurfte es keiner Großfiguren und keinem großen Bühnenzauber. Licht und Schatten, schauspielerische Talent und außerordentliche Spielerpräsenz zur Führung der kleinen Figuren nahmen den Zuschauer mit in die Rue Bleu.
Dort war auf der einen Seite der Bühne die Helligkeit, das Lebhafte im Laden von Monsieur und auf der anderen Seite in einem winzigen Karton die Enge und Tristesse von Momos Elternhaus.
Die wahren Helden des Lebens sind klein, ihre Dialoge auf das Wesentliche reduziert, verdichtet in winzigen Szenen, welche ihre Suche nach Glück und Zufriedenheit zu einer philosophischen Frage werden lassen, die ihren Höhepunkt in der Reise ans Meer findet.
Momos und Monsieur Ibrahims Autofahrt, als Schattenspiel und schwarz-weiß Videoeinspielung, war ein wahres Vergnügen und dennoch melancholisch.
„Einmal das blaue Meer sehen.“ schwärmt Monsieur Ibrahim und erfüllt sich gemeinsam mit Momo diesen Wunsch.
Für ihn endet seine Lebensreise in seiner Heimat am blauen Meer. Für Momo wird es der Neubeginn.
In diesem Moment der Schlussszene hatte ich das Gefühl, die Geschichte in ihrer Tiefe und Aussagekraft neu zu verstehen.
Einfach grandios!
Birgit Empen