Rückblick Pole Poppenspäler Tage 2011

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Engel mit nur einem Flügel Töfte Theater, Melle

Mit seinem einfühlsamen Spiel wagte sich Kiekhöfer an eine Thematik - Diskriminierung und Vernichtung der Juden im Dritten Reich - mit dem Kinder und Jugendliche im Alter von 9 - 13 Jahren für gewöhnlich kaum konfrontiert werden.
Dabei beeindruckte vor allem, wie behutsam zwar, aber doch klar an der Realität orientiert die Geschichte des jüdischen Jungen Robert und seiner Familie erzählt wurde. So berührte das Geschehen zutiefst, ohne dass es Schrecken und Entsetzen hervorrief.
Im Dialog mit der Figur Robert Goldstein ließ der Puppenspieler die Zuschauer an dessen Leben teilhaben. Mit einfachsten, aber wirkungsvollen Mitteln nahm er sie mit in dessen Kindheit, die zunächst heitere Momente zuließ, aber zunehmend die immer schlimmere Enge und Ausgrenzung deutlich machte. Dabei ließ Kiekhöfer nichts aus, zeigte aber die schrecklichen Momente ohne falsches Pathos. Nur Robert Goldstein und sein Vater waren als Kopffiguren zu sehen, alle anderen im Stück vorkommenden Personen verkörperte der Puppenspieler selbst. Dabei zeigte er ein beeindruckendes schauspielerisches Talent, mit dem er sowohl die liebevolle Bauersfrau darstellte, die sich um den versteckten Robert kümmerte, als auch den bis ins letzte Detail der Körpersprache und Mimik widerwärtigen Naziklassenkameraden. 
Das Stück hinterließ nicht die übliche "Betroffenheit", die wir älteren erwachsenen Zuschauer bei dieser Thematik fast reflexartig erwarten. Aber möglicherweise öffnet es gerade dadurch bei Kindern und Jugendlichen der heutigen Generation einen eigenen Zugang.
Barbara Heinitz