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Liebt mich! Theater Maskotte, Buchholz

Zarah Leander, eine große Diva der 30er und 40er Jahre stand auf dem Festival-Programm. Wie würde diese schillernde Figur, deren Haltung gegenüber Politik und Gesellschaft nie eindeutig zu fassen war, für die Puppenbühne inszeniert werden? Schon die Bühne, ein kleines Museum, in dem alltägliche Dinge aus dem Leben der Diva zusammengetragen waren, eröffnete dem Zuschauer eine skurrile Szenerie. Auf einer Wäscheleine hingen Porträts und Unterwäschestücke nebeneinander, ein Toilettenhäuschen und anderer Nippes boten einen intimen Einblick und ließ den Weltstar zu einem Menschen wie du und ich werden.

Ihr biographischer Werdegang von Schweden nach Deutschland als Sängerin mit einer außergewöhnlichen, eher männlichen Stimmlage, wurde angedeutet, aber immer wieder satirisch bis grotesk durchbrochen. Ihre Karriere begann ähnlich wie bei „Deutschland sucht den Superstar“ mit einem Vorsingen bei dem Vorsitzenden und dem Reichskulturminister der nationalsozialistischen Partei. Die beiden Handpuppen Adolf und Josef stritten erst über die künstlerischen Fähigkeiten, entschieden sich dann doch für diese große, rotblonde Frau mit der tiefen, sinnlichen Stimme.

Ihr Lied „Es wird einmal ein Wunder geschehen“ ging um die Welt und wurde an der Front und im Konzentrationslager gespielt. Erschreckend! Ein beklemmendes Gefühl als mit filmischen Einblendungen, Schüssen, Panzergeräuschen und Rauchschwaden diese bizarre Situation lebendig wurde. Eine eindrucksvolle Inszenierung des Theater Maskotte. Eine schwarz-humorige Beleuchtung des deutschen Idols, Zarah Leander. Klasse!