Rückblick

27. Pole Poppenspäler Tage 2010

Schlafes Bruder
Theatrium, Bremen

Wie kann ein einziger Puppenspieler das gewaltige Epos von Robert Schneider bewältigen – wie in all die verschiedenen Rollen schlüpfen? Detlef Heinichen bewältigte diese Aufgabe mit Bravour. Grau ist die Bühne und das Bühnenbild, grau auch der Erzähler. Er ist eingeschlossen in ein Beinhaus, als letzter Bewohner des abgelegenen Bergdorfes Eschberg. Cosmas Alder, alt, verwahrlost, starrsinnig und halbverhungert erinnert sich anhand der Totenschädel, die ihn umgeben an Johannes Elias Alder. Ungeliebt von den Eltern, begabt mit einem außerordentlichen Musiktalent und überragenden Hörfähigkeiten wird er zum Außenseiter der Dorfgemeinschaft. Sein einziger Freund wird sein Cousin Peter, seine große Liebe dessen Schwester Elsbeth. Als er erfahren muss, dass sie für ihn unererreichbar ist, begeht er mit der Verweigerung jeglichen Schlafes Selbstmord, weil er erkannt zu haben glaubte: Wer schläft, liebt nicht. Es waren bewegende fast zwei Stunden, die niemanden im Publikum unberührt ließen und die noch lange nachwirkten.