Rückblick

27. Pole Poppenspäler Tage 2010

Gradualistische Annäherung an eine Ehe
Astrid Kjær-Jensen, Dänemark

„Jetzt sprechen oder für immer schweigen“. Im zentralen Moment der kirchlichen Trauung erinnert Astrid Kjaer Jensen in ihrer, mit dem Rudolf-von-Ems-Preis 2010 ausgezeichneten Vordiplomarbeit an die erste Begegnung zwischen Mann und Frau. Astrid Kjaer-Jensen schweigt und spielt. Sie zieht ihr Brautkleid hoch und spielt, auf einer Leiter stehend, vorn übergebeugt zwischen ihren Beinen, nur mit ihren Händen, deren Finger zu Armen und Beinen werden. An den Handgelenken befestigte Handtellerpuppen. Neben der artistischen Meisterleistung, die Astrid Kjaer-Jensen in ihrem Spiel bewältigt, besticht ihre Dramaturgie, ihre minimalistische Bühne als Garten Eden, ihre Darstellung des schönsten Tages im Leben eines Paares, frei nach der alten persischen Legende von Adam, Eva und Lilith. Auch das Publikum schweigt gebannt und wünscht am Ende, das Spiel möge noch weitergehen.