Rückblick

27. Pole Poppenspäler Tage 2010

Puppenspieler stellen sich vor
Veit Utz Bross, Waiblingen, Dr. Astrid Fülbier

Gespannt versammelte sich ein Kreis interessierter Zuhörer um den Puppenspieler und Figurenmacher Veit Utz Bross im Pole Poppenspäler Museum. Frau Dr. Astrid Fülbier interviewte Herrn Bross für uns und stellte einfühlsame und spannende Fragen, anschließend konnten vom Publikum noch zusätzliche Fragen gestellt werden. Den meisten von uns war es schon ein Begriff, dass Herr Veit Utz Bross der Sohn des international bekannten Figurenmachers Fritz Herbert Bross ist, dessen Werk in der Puppenspielwelt Geschichte geschrieben hat und von dessen Puppen sich auch einige im Poppenspäler Museum in Husum befinden. Mit freundlich ruhiger Offenheit und der ihm eigenen charismatischen Ausstrahlung, erzählte uns Herr Bross von seinem ereignisreichen Leben. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er zumeist in der Werkstatt seines Vaters; zuerst spielend, dann helfend, das Werk des Vaters intuitiv, wie dieser es feststellte, erfassend. Sein Vater war nicht nur sein Lehrer, sondern auch zeitlebens ein guter Freund. Veit Utz Bross war auch Zeuge vieler internationaler Kontakte seines Vaters, der junge Menschen aus aller Welt - unter anderem auch aus den USA, Ghana, Tunesien, Tschechien und der Schweiz - sein Handwerk lehrte. Ganz beachtlich erschien uns Zuhörern der Bekanntheitsgrad seines Vaters, zumal Fritz Herbert Bross vor Hundert Jahren geboren wurde, also noch kein Mensch des Internetzeitalters war! Veit Utz Bross aber entschloss sich, seinen künstlerischen Schwerpunkt nicht auf das Herstellen von Figuren, sondern auf das Figurentheater selbst zu verlegen. Er entwickelte die unterschiedlichsten Figurentheaterprojekte und Spielformen, teils enorm aufwändige Stücke mit kompliziertem Bühnenaufbau, zum Beispiel mit live performten Bühnenbildmalereien durch seine Frau (eine renommierte Künstlerin) oder aber Figurentheaterstücken, die sich in einem Rahmen bewegten, den er bei Aufführungen als „ein Mann Performer“ mit seinen Puppen bewältigen konnte. Stücke für die Großen, Stücke für die Kleinen – auch nach Jahren ist jede Aufführung, wie er sagt, anders geprägt, durch die immer lebendige Interaktion mit dem Publikum, die besondere Atmosphäre des Raumes, die Konstellation des jeweiligen Tages … Spirituelle Kraft und Ausgeglichenheit findet Veit Utz Bross auch durch seine jährlichen monatelangen Aufenthalte in einem buddhistischen Kloster in Indien, wo er - nach einer langen beschwerlichen Anreise durch die Berge - Ruhe und Energie schöpft. Wir sind sehr dankbar für diesen intensiven Vormittag zusammen mit Herrn Bross und glauben, die meisten Zuhörer waren sehr beeindruckt, von dem, was er von seinem Leben und dem seines Vaters mit uns geteilt hat. Hoffentlich hatte er trotz des Windes und des Regens einen schönen Aufenthalt in Husum und wenn wir mal in Waiblingen sind, freuen wir uns schon auf sein „Theater unter dem Regenbogen“. Nicola Fischbach und Astrid Berger