Rückblick

26. Pole Poppenspäler Tage 2009

Die drei Spinnerinnen
Figurentheater Ernst Heiter

Ernst Heiter mit einer Inszenierung so ganz ohne Moral. Der Schuster in seiner demonstrativen Schlichtheit hilft dem König mit einem Hufeisen aus, das er gerade sprichwörtlich in der ihm eigenen Art den Wohnraum zu reinigen unter den Teppich kehren wollte, als seine Majestät direkt unter seinem Fenster eine Wagenpanne hat. Bei der Gelegenheit lässt der geschwätzige Schuster auch keine Gelegenheit aus, mit seiner spinnbegabten Tochter zu prahlen, die in Amerika dieses Handwerk studiert, da sie über eine außerordentliche Begabung verfügt. Der König will sich gerne persönlich von dieser Kunstfertigkeit überzeugen und lädt die Schustertochter Rita in sein Schloss, um drei Zimmer voller Flachs zu Garn zu spinnen. Natürlich ist die wenig begabte Rita damit hoffnungslos überfordert und spürt zudem die lüsternen Annäherungsversuche des Königs, die sie aber deutlich zu unterbinden weiß. Bevor es allerdings zu dem glücklichen Ende in Form einer Hochzeit mit dem Königssohn kommt, helfen die drei Spinnerinnen der Rita beim Verarbeiten des Flachses. Dass sie dabei dicke Füße vom Rad drehen, dicke Lippen vom Faden benetzen und dicken Daumen vom Faden spinnen bekommen, gereicht der zukunftigen Königin nur zum Vorteil. Als die drei in ihrer Hässlichkeit zur Hochzeitsfeier erscheinen, verbietet der König seiner Frau, fortan zu spinnen, um derartige körperliche Folgen zu vermeiden. Was könnte der Rita besseres passieren? Ernst Heiter hat mit diesem Stück mal wieder gezeigt, wie man mit rasantem Spiel, jeder Menge Humor, liebenswert hässlichen Figuren und Zeitbezug ein bekanntes Märchen der Gebrüder Grimm humorvoll inszenieren kann und hatte sich damit zum dritten Mal während der Poppenspälertage einen begeisterten Applaus erspielt. „Und wenn das Glück an der richtigen Stelle herunterfällt, hat jede Geschichte ein gutes Ende“ Welch ein Glück, dass es im Südflügel eingeschlagen ist!