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Besuch der alten Dame Hohenloher Figurentheater, Herschbach

Johanna und Harald Sperlich vom Hohenloher Figurentheater gelingt es bravourös, diese tragische Komödie von Friedrich Dürrenmatt als Figurenspiel zu inszenieren.

Es ist, als ob der Schriftsteller während der Erschaffung des Stückes geradezu im Hinterkopf gehabt hätte, es im Rahmen eines Figurentheaters aufführen zu lassen, denn die Stilelemente des Stückes werden durch die kunstvoll gefertigten Puppen, das in Grau gehaltene, beinahe hoffnungslos anmutende Ambiente der Bühne (der Guckkasten), und die Erzählweise der Puppenspieler besonders hervor gehoben.

Faszinierend, wie die markant gestalteten Puppen, die den karikativen Charakter der Dürrenmattschen Figuren exakt transportieren, mit unterschiedlichsten Stimmen agieren. So bedienen sich die Sperlichs auch mancher chorischer Elemente, um die Stilmittel der Groteske eindrucksvoll und zuweilen bedrückend, zu betonen. Die Phrasenhaftigkeit der Masse wird den Zuschauern sehr deutlich vor Augen geführt.

Die Inszenierung bleibt Dürrenmatt’s literarischer Vorlage treu, doch zeigt sie stets eine starke, eigenständige künstlerische Handschrift.

Die Dichte der Atmosphäre, die Beklommenheit, die gerade durch die reduzierte Erzählweise zustande kommt, scheint das tragische Geschehen und das Ende vorweg zu nehmen. Die Heuchelei und Scheinheiligkeit der Güllener (und damit jeder ?) Gesellschaft wird anhand von kurzen, prägnanten Szenen gut heraus gearbeitet.

Die „alte Dame“, Claire Zachanassian, schwebt wie ein dunkler, mondäner Racheengel über der Szene, bar jeder Empathie, jeder Mitmenschlichkeit. Das hölzerne und versteinerte ihres Wesens wird durch die Puppe hervorragend umgesetzt, die Lächerlichkeit der einzelnen Gesellschaftsmitglieder durch die Gleichförmigkeit des Gesichtsausdrucks der Puppen passend inszeniert.

Nicola Fischbach und Astrid Berger