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Die furchtlosen Vampirkiller Theater Con Cuore, Schlitz

Die Erwartungen waren hoch – schließlich handelt es sich bei dem Original „Tanz der Vampire“, an das sich das Theater Con Cuore, Schlitz, mit seiner Produktion anlehnt, um einen echten Filmklassiker, den nicht nur wir uns seit Jugendtagen immer mal wieder mit Hochgenuss ansehen. Roman Polanski, der Kultregisseur, der sich 1967 des Vampirgenres annahm, ein passionierter Könner, der den Dracula Stoff in eine liebenswerte und dennoch spannungsgeladene Parodie umsetzte.

1997 schließlich auch als Musical adaptiert, unter anderem in Wien aufgeführt. Ein echter Kultstoff eben.

Virginia und Stefan P. Maatz verstehen sich Gottlob auf die hohe Kunst der Unterhaltung auf hohem Niveau. Sie haben es geschafft, mit Hilfe ihrer ausdrucksstarken und charaktervollen Figuren und in Interaktion mit diesen die Geschichte um den schrulligen Professor Abronsius und seinen tapsigen Assistenten Alfred, die ausziehen, das Böse aufzuspüren um es zu endgültig zu vernichten, und mit dieser Mission unfreiwillig und unweigerlich scheitern, zu neuem Leben zu erwecken.

Und so entfaltet sich sogartig vor den Augen der gespannten Zuschauer die dunkle, geheimnisvolle Welt der Südkarpaten, in der sich nicht nur das wunderbare und liebenswerte Figurengespann der beiden Vampirjäger beweisen muss, sondern auch das menschliche Darsteller Duo Maatz so manche schwierige Aufgabe zu meistern hat. Sie zaubern eine faszinierende Atmosphäre auf die Bühne, und bald vergisst man, wer Puppe, wer Mensch, und wer Zwischenwesen aus einer anderen Welt ist. Zauberhaft z.B. die Szene, in der sich Assistent Alfred, dargestellt von Stefan Maatz, und die schöne Tochter des Wirtes, Sarah, gespielt von Virginia Maatz, ineinander verlieben, die beiden scheinen förmlich in traumartig verlangsamten Bewegungen durch den Raum zu schweben, beinahe figurenhaft. Die Figuren werden wiederum zu echten Menschen, komisch und kauzig, durchtrieben und von eigenem Willen beherrscht, wie Professor Abronsius oder Sarah’s Vater, Shagal, oder etwa Koukol, der bucklig verwachsene Diener des Grafen, alle „gespielt“ von Puppen.

Auch das Setting lässt nichts zu wünschen übrig, subtil wird Licht eingesetzt, das auf die meist unheimliche Szenerie scheint und die liebevoll ausgesuchten und angefertigten Requisiten, z.B. in Wirtsstube, im Schloss des Grafen Krolok oder im dortigem Ballsaal zum leuchten bringt, unterstrichen durch stimmungsvolle Geräusche und Musik.

Und so verzaubert, begibt man sich auf den Heimweg, und meint im fahlen Mondlicht noch ein leises klingeln der Schlittenschellen zu vernehmen…
Nicola Fischbach und Astrid Berger