Rückblick

26. Pole Poppenspäler Tage 2009

Faust spielen
Wilde & Vogel und Christoph Bochdansky

Die Bühne erinnert zuerst einmal an das Schlachtfeld nach einer Party, fehlen nur die Flaschen. Faust spielen ist für heute Abend im wahrsten Sinne des Wortes der Spielplatz zweier grandioser Puppenspieler und einer leidenschaftlichen Musikerin, die das Literaturfeld nutzen, um ungehemmt ihrem Spieltrieb zu folgen. Ein roter Vorhang, vermeintlich klassisch doch viel zu klein und mit Blick auf die Schuhe der Spieler eröffnet den 2.Teil des 5. Aktes. Zu sehen ist Faust als Greis aus einer Zeit, die unbeschrieben ist. Geblieben ist die Frage nach dem Sinn, die ihn noch immer quälend straucheln, stürzen, kriechen lässt. Die Beziehung zu seinen Frauen werden in neuen Bildern gespielt. Verhängnisvoll und zärtlich die Schlinge um Gretchens Hals, in trieblastiger Offensive wird der Tod von hinten genommen, tollen die beiden Spieler in einem Eldorado aus Figuren, Masken und Stoffen mal leidenschaftlich, mal zurückhaltend über die Bühne. Texttreue und Authenzität sind längst kein Thema mehr. Charlotte Wilde wird ihrem Namen treu, unterstreicht die Szenen mit schrillen Tönen und hetzt hinter dem Geschehen über die Bühne. Mit Poetischem Bild in rankendem Grün und nackter Helena im Wasserbrunnen versprechen die Spieler dem Publikum, doch noch Erwartetes für ihr Geld zu bekommen, doch wer hat schon konkrete Vorstellungen, wenn er zu Wilde und Vogel kommt? Wie immer lässt sich der Besucher am besten einfach auf die Bilder und Stimmungen ein, lebt die Atmosphäre auf der Bühne mit und schaut sich bei Bedarf den klassischen Faust in einem konventionellen Theater an. Dieser Faust aber würde wohl selbst Tom Waits gefallen, mit dem der Spielabend ausklingt.