Rückblick Pole Poppenspäler Tage 2009

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Don Camillo und Peppone Dornerei, Neustadt a.d.W.

... in Husum.
Mit seiner Inszenierung nach dem berühmtesten Roman von Giovanni Guareschi eröffnete Marcus Dorner (DORNEREI Theater mit Puppen), das 26. Internationale Figurentheater Festival in Husum.

Und um es gleich vorab zu sagen: Das, was Markus Dorner als Akteur und Animateur, pardon, als um das Dorf herum radelnder Kirchen- und Gemeindediener und als Handpuppenspieler in seiner Guckkasten-Bühne dem stark in das Spiel mit einbezogenem Publikum bot, war sowohl derber Spaß als auch feine Satire, also pures Vergnügen auf mehreren Ebenen.

Die Original-Geschichten des Romans, die zwischen dem kommunistischen Bürgermeister und dem erzkonservativen Pfarrer noch in einer Welt vor dem Zusammenbruch des Kommunismus spielen, wirken durch die gelungene Adaption in unsere Zeit und durch die aktuellen Tagesbezüge frisch und zeitgemäß. Da ist dem Puppenspieler Dorner und dem Regisseur Tristan Vogt etwas gelungen, das auch viele jüngere Zuschauer, die geschickt in das Spiel mit einbezogen wurden, durch ihre temperamentvollen Reaktionen belohnten.

Die älteren Zuschauer, denen die ursprünglichen Geschichten aus den Romanen und der Filme bekannt waren, freuten sich sicher auch darüber, dass bei allen ‚Modernisierungen’ nichts von der großen Menschlichkeit, die die Geschichten auszeichnet, verloren gegangen ist. Dem Ausstatter Ralf Wagner ist es gelungen, die mediterranere Atmosphäre glaubwürdig auf die Puppenbühne zu zaubern, zu der verbal zwischendurch auch der ‚Italiener Marco’ immer wieder erfolgreich beisteuerte.
Lediglich für Peppone hätte ich mir eine andere Physiognomie gewünscht; die Puppe ähnelt dem Filmschauspier Gino Cervi wie ‚aus dem Gesicht geschnitten’ und dadurch werden ältere Zuschauer wie ich, immer wieder unnötiger weise auf den Film verwiesen. Doch gerade die Bearbeitung des Originalstoffes durch Markus Dorner und Tristan Vogt, die sich nicht auf die berühmten Filme bezieht, ist so originär und gelungen, dass jeder Vergleich ungerechtfertig wäre.

Ich wünsche uns, dass diese Komödie über Politik, Religion und Alltag in der Fassung der DORNEREI noch viele Zuschauer zum Lachen und Nachdenken bringt.


Wolfgang Buresch, Hamburg, 2009