Rückblick Pole Poppenspäler Tage 2009

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1944 - Es war einmal ein Drache Tandera-Theater, Testorf

Das Spiel begann mit dem alltäglichem Weihnachtsstress, den jeder aus eigener Erfahrung kennt und bezog so die Zuschauer unmittelbar ein. Doch wenn wir uns nach heiler Welt, Gemütlichkeit und Zufriedenheit sehnen, passt die unglaubliche Geschichte der Weihnachtsfeier für Kinder im KZ Ravensbrück gar nicht.

„Lass mich damit in Ruh!" lehnt die Puppenspielerin Gabriele Parnow-Kloth ab. Doch Dörthe Kiehn lässt nicht los. Immer wieder liest sie den Text des Buches von Bodo Schulenburg und plötzlich verändert sich die Werkstatt auf der Bühne zur beklemmenden Szenenerie des Konzentrationslagers. Die beiden Akteurinnen schlüpfen in die Rolle der Frauen im Konzentrationslager. Aus Tonklumpen werden Kinderköpfe. Angst, Hunger und Verzweiflung werden greifbar. Beklommenheit macht sich breit. Die individuelle Furcht vor Gewalt und Vernichtung werden so intensiv auf die Bühne gebracht, dass das Unfassbare des Grauens lange nachwirkt. Es war so still, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können.

Die verdichtete Atmosphäre und deren Dramatik wird durch die beiden Puppenspielerinnen gebrochen, die plötzlich in ihren Alltag der Anfangsszene zurückkehren. Doch gerade das ermöglicht es, sich Fragen zu stellen - wie hätte ich gehandelt, wo wäre meine Menschlichkeit in einem KZ geblieben.

Lange nach dem verklungenen Applaus bleiben einige Zuschauer noch sitzen und hängen ihren Gedanken nach, andere diskutieren über das Gesehene.
Ein beeidruckendes Theatererlebnis, das bei den Zuschauern noch lange nachwirken wird.