Rückblick Pole Poppenspäler Tage 2008

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Glanzlichter aus 20 Jahren Figurentheater Raphael Mürle, Pforzheim

Ra­pha­el Mür­le zeig­te Aus­schnit­te aus sei­nen Ma­ri­o­net­ten­pro­gram­men "Sze­nen mit Ma­ri­o­net­ten", "Coc­tails" und "Ge­sän­ge der Wale" so­wie aus sei­nem ak­tu­el­len Pro­gramm "Rock­röh­ren".

Beim An­schau­en der tur­bu­len­ten, teils ur­ko­mi­schen oder me­lan­cho­lisch-iro­nisch ein­ge­färb­ten Sze­nen wur­de uns wie­der ein­mal klar, dass ein wirk­li­ches Ver­säum­nis in un­se­rem Le­ben da­rin bes­teht, nicht alle Stü­cke von Ra­pha­el Mür­le ge­se­hen zu ha­ben. Ob Papp­röh­ren­pup­pe oder fi­li­gra­ne Ma­ri­o­net­te, Mür­le ge­lang es, den Fi­gu­ren nicht nur Le­ben einzuhau­chen, son­dern ih­nen eine wirk­li­che Prä­senz als Per­son zu ge­ben. Ge­rührt, amü­siert oder von Ehr­furcht er­fasst, er­schien es dem Zu­schau­er, als sei er mit je­der Fi­gur ei­ner gro­ßen Künst­ler­per­sön­lich­keit be­geg­net. Gro­ße Ge­stal­ten der Mu­sik­welt schlu­gen uns in ih­ren Bann: wun­der­bar jaz­zig und läs­sig Lou­is Arm­strong, vir­tu­os der ext­ra­va­gan­te Pi­a­nist, ein künst­le­risch ab­sor­bier­ter Sa­xo­pho­nist, Udo Lin­den­berg in Ge­stalt ei­nes sen­ti­men­tal me­lan­cho­li­schen Halb­hun­des, oder ei­ner ver­fre­ak­ten und sexy Chris­ti­na Aguil­le­ra als „gril­li­gem“ In­sekt, das „Lady Mar­ma­la­de“ zum Bes­ten gab…

Auch die ge­zeig­ten Highlights aus sei­nem ak­tu­el­len Pro­gramm „Rock­röh­ren“, das be­son­de­re, ein­fühl­sa­me Frau­en­stim­men aus Blues, Soul und Rock in den Vor­der­grund rück­te, er­weck­ten den Ein­druck, gro­ße Di­ven haut­nah er­lebt zu ha­ben: Mür­le prä­sen­tier­te Mar­la Glen, Macy Gray, Nina Ha­gen und Co. als un­ver­wech­sel­ba­re, nicht sel­ten splee­ni­ge Per­sön­lich­kei­ten auf eine lie­be­voll par­o­dis­ti­sche Art und Wei­se.

Mür­le’s vir­tu­o­se Ma­ri­o­net­ten­füh­rung, die er teil­wei­se auch auf der Büh­ne er­läu­ter­te, so­wie sein fein­sin­ni­ger Hu­mor ka­men zudem wun­der­bar bei den er­gän­zen­den Tier­sze­nen, wie dem schwim­men­den Tanz des Wal­ske­letts und dem völ­lig über­mü­de­tem Vo­gel­we­sen, zur Gel­tung. Der arme Vo­gel konn­te es im­mer wie­der nicht fas­sen, wie gna­den­los ihn sein We­cker aus sei­ner Schlaf­kis­te und Um­ge­bung aufstör­te – wer wür­de sich nicht beim mor­gend­li­chen Auf­ste­hen in den kom­men­den, dunk­len Win­ter­mo­na­ten in Er­in­ne­rung an die­se Sze­ne trös­ten…

Wir dan­ken Ra­pha­el Mür­le für die­sen wun­der­schö­nen Abend!
Ni­co­la Fisch­bach und Ast­rid Ber­ger