Rückblick Pole Poppenspäler Tage 2008

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Kasperl – dieser Mann ist eine Fälschung Christoph Bochdansky, Wien

Im dunk­len Rit­ter­saal öff­net sich spalt­breit eine Tür. Je­mand sagt: „Ich trau' mich gar nicht he­rein­zu­kom­men." Ent­schließt sich dann aber doch zu er­schei­nen. Die Büh­ne be­tritt: ein Sack. Und die­ser Sack spricht mit dem Pub­li­kum. Schmei­chelt sich ein. Will als der gro­ße Al­lein­un­ter­hal­ter und Spaß­ma­cher, als je­mand, der doch ei­gent­lich lie­bens­wür­dig und un­ent­behr­lich ist, ge­fei­ert wer­den. End­lich schält sich eine Per­son aus dem Sack und man sieht: ei­nen Mann im ka­rier­ten An­zug mit ei­nem Hüt­chen auf dem Kopf:„Ich bin der Kas­perl." Zum Beweis kämpft er mit dem Krokodil, wird aber im Verlauf des Stückes auch von Gretel nicht erkannt. So bleibt ihm nichts weiter als die Kasperbühne zu zerstören und den Gegenbeweis damit zu vernichten. Am Ende dieses wunderbar irritierenden Stückes, das eher eine künstlerische Performance als ein Figurentheater war, bleibt die Erkenntnis, dass man auf einem Festival selten ein so provokantes Stück erleben darf. Schön, dass das in Husum möglich war.