Rückblick Pole Poppenspäler Tage 2008

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Boris Godunow Musikteatret Undergrunden, Vaerløse, Dänemark

In der Fas­sung des Mu­sik­te­atret Un­der­grun­den wird die ge­walt­tä­gig schwie­ri­ge Oper von Mus­sorgsky auf ein auch für Kin­der verständ­li­ches Maß ge­bracht. Eine Rie­sen­oper in Pup­pen­grö­ße? Könn­te man mei­nen, agie­ren doch ne­ben den bei­den Pup­pen­spie­lern, Kaja Pihl und Ni­els Pihl, acht Tisch­fi­gu­ren. Doch viel­mehr ist es ein "Bo­ris Go­dunov" für An­fän­ger, denn die ge­schicht­li­chen Zu­sam­men­hän­ge wur­den von Ni­els Pihl in deut­scher Spra­che kurz skiz­ziert: Im Russ­land kurz vor 1600 starb der neun­jäh­ri­ge Erbe des Za­ren Iwan des Schreck­li­chen. Als der Mi­nis­ter Bo­ris Go­dunov Zar wur­de, ver­brei­te­te sich das Ge­rücht, er habe das Kind ge­tö­tet. Ein jun­ger Mann, Gris­jka Ot­re­pieff, taucht auf, gibt sich als der er­mor­det ge­glaub­te Erbe Iwans aus und ge­langt mit Un­ter­stüt­zung zahl­rei­cher Un­zu­frie­de­ner auf den Za­renthron. Wäh­rend der Zeit der Kämp­fe stirbt Bo­ris, der Le­gen­de nach an Schuld und schlech­tem Ge­wis­sen. Sein Sohn und Erbe Fjo­dor wird von dem neu­en Za­ren ge­tö­tet.
Die aus­ge­bil­de­ten Opern­sän­ger vom Mu­sik­te­atret Un­der­grun­den aus Dä­ne­mark flech­ten in die­se Ge­schich­te zwei Pup­pen­kin­der ein, die sich im­mer­zu strei­ten. Sehr zum Är­ger ih­rer Pup­pen­füh­rer, die die bei­den schließ­lich in der Oper "Bo­ris Kin­der­mör­der" (Bo­ris Bar­ne­mor­der) mit­wir­ken las­sen. So müss­ten sie doch ver­ste­hen, dass nicht al­les schwarz oder weiss, gut oder böse ist, son­dern dass es auch Zwi­schen­tö­ne gibt, ist doch der als Schur­ke und Mör­der an­ge­klag­te Bo­ris ein lie­ben­der Va­ter für sei­ne Kin­der.
Die Oper in pracht­vol­ler Aus­stat­tung, in dä­ni­scher Spra­che live ge­sun­gen war ein be­son­de­res The­a­ter­er­leb­nis, das ei­nen Zu­gang zu dem schwie­ri­gen Stoff sehr er­leich­tert.