Rückblick Pole Poppenspäler Tage 2007

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Caravaggio Figurentheater Raphael Mürle, Pforzheim

Aus dem totalen Dunkel des Rittersaales im Schloss vor Husum taucht die Bühne auf, erhellt von 2 Scheinwerfern, links und rechts. Requisiten darauf: eine Holzkiste, ein rotes Tuch, ein Holzkreuz, ein Totenschädel, ein weißes Flügelpaar. Der Puppenspieler steht schwarzgekleidet im Dunkel, meisterlicher Schöpfer, Beseeler und Begeisterer seiner Marionetten.
Im Wechsel von Tonaufnahmen (gelesene Briefe Caravaggio's an seine Bruder) und von mit Musik untermalen „lebenden Bildern" spielt sich das exstatische, geniale, kurze Leben(-swerk) des Michelangelo Merisi da Caravaggio vor den Augen des faszinierten Zuschauers ab. Religiöse Themen, provozierende naturalistische Bilder, eingetaucht in ein dramatisches „Helldunkel" geben während 75 Minuten Einblick in die Höhen und Tiefen dieses menschlichen Daseins. Pinsel in der Einen, Degen in der anderen Faust: Caravaggio.
Er wird dargestellt durch einen Kopf, eine Arm, ein Bein. Weiße Körperteile, die zusammen oder einzeln agieren, manchmal zum ganzen Menschen miteinander verbunden durch den roten Stoff. Abwechselnd zu seinen „Auftritten" werden Caravaggio's Bilder in Szenen von Marionetten in verschiedensten Tempi dargeboten.
Letzte Szene: der Kopf des Caravaggio, festgemacht am oberen Rand der hochkant gestellten Kiste, leicht vor und zurück pendelnd, in das Publikum blickend „ . . . und wenn sie hinschauen, sehen sie - nichts . . ." Dunkel.
Großer Applaus für ein phantastisches und Wunder-volles Figurentheaterereignis.