Rückblick Pole Poppenspäler Tage 2006

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Die Sünderin theater en miniature, Kassel

Das Stück "Die Sünderin" nach der Groteske "Elisaveta Bam" des russischen Dichters Daniil Charms stellte schon zur Entstehungszeit 1927 ein Theaterexperiment dar. Die Umsetzung der Idee, eine absurde Geschichte zugleich als Zeitreise durch die Entwicklung des Theaters im 19. Jahrhundert zu zeigen, war zu jeder Zeit, besonders im Menschentheater, eine enorme Herausforderung. Dieser begegnete der Figurenspieler Andrej Uri Garin in eindrucksvoller Weise. Der erste Blick auf den Ort des Geschehens erinnerte, schon wegen der Größenverhältnisse, an Papiertheater. Doch es war weit mehr als das: Die Bühne eine detailgenaue Miniatur eines klassischen Theaters mit Scheinwerfern oben und unten, Rampe, Kulissen und, nicht zu vergessen, einer raffinierten Drehtechnik im Boden. Die Figuren zeigten sich beweglich und ausdrucksstark. Damit man das Geschehen auf der Bühne gut verfolgen konnte, wurden vor Beginn der Vorstellung Operngläser an das Publikum verteilt. Das Stück schließlich nahm seinen Lauf durch die verschiedene Genre: Im Handlungsstrang wurde die Situation mal grotesk, mal komisch, mal tragisch vorangetrieben.
Andrej Uri Garin, bekleidet mit weißem Hemd und schwarzem Frack, wechselte virtuos, je nach Bedarf, in die Rollen des Puppenspielers, des Conferenciers, des Tontechnikers, des Dirigenten oder Sängers.
Ein ungewöhnlicher Theaterabend, von dem das sachkundige Publikum in Husum sehr angetan war.