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Dornröschenkind Figurentheater Margrit Gysin, Schweiz

Was braucht man, um die Geschichte von Dornröschen und seinem hundertjährigen Schlaf zu erzählen? Die Geschichtenerzählerin und Figurenspielerin Margrit Gysin hatte alles bei sich: Fäden ihres weiten Gewandes wurden um den Finger gewickelt und gerieten, mit Krönchen auf den Fingerspitzen zu König und Königin, die darüber sprachen, wie gern sie ein Kind hätten. Dornröschen, das Mädchen vor dem auf Weisung des Königs alle Spindeln versteckt werden mussten, schlüpft als liebevoll gestaltete Puppe aus dem Gewand. Und natürlich findet das Kind, angetrieben von seinem Gefährten, einem kecken Affen, die einzige Spindel, die übersehen wurde. Wie eine Norne spinnt Gysin den Zeit- und Schicksalsfaden, bringt die Faszination Ihrer Hauptdarstellerin, die sich schließlich sticht und damit der Prophezeiung folgt, auf die Bühne. Während des langen Schlafes von Dornröschen passiert einiges: Der Traumangler verkürzt ihr die Zeit mit schönen Träumen, während der gesponnene Faden aufgerollt wird zu einem Wollknäuel von hundert Jahren Länge. Überraschend ist dann der Schluss, weil dieses Dornröschen keinen Prinzen braucht, der es wach küsst. Der Küchenjunge tut auch - und hat überdies den Vorteil, dass die Prinzessin mit ihm viel Spass beim Backen von Omeletten haben kann: Eine zeitgemässe und sehr bezaubernde Version des Dornröschens - für Kinder wie Erwachsene.