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Kemm hor Figurentheater Margrit Gysin, Schweiz

Ein dunkler Vorhang, davor ein hell angestrahlter Sessel mit gelben Kissen - darauf nimmt die Schweizer Puppenspielerin Margrit Gysin Platz und beginnt zu spielen und zu erzählen: von Tomte Tummetott, dem Hausgeist, von Mias und Anna aus "Sonnenau", den bitterarmen Waisenkindern, die vom Bauern auf Myra aufgenommen werden, damit sie sich nützlich machen. Karlson vom Dach taucht auf, der gerade richtig dicke kleine Mann mit Propeller, der sich im Dialog mit der Spielerin als frech, als maßloser Egoist erweist, der einem ganz schön "auf den Keks" gehen kann und trotzdem liebenswert ist. Noch andere Figuren aus Astrid Lindgrens Büchern erscheinen, denn Margrit Gysin hat ihr Porgramm "Kemm Hor" (Komm her - lass dich trösten) genannt, eine Homage an diese Autorin.
Gysin braucht nur wenige Requisiten, die sie aus den Taschen und dem Ausschnitt ihres Kleides zieht. Michel wird dargestellt durch ein Stück Holz, weil er schnitzt. Einen langen Faden wickelt sie um Zeige- und Mittelfinger der linken Hand: so entstehen die beiden Kinder aus "Sonnenau" - die Illusion ist perfekt. Ein weißes Blatt Papier mit einer Öffnung darin bildet den Eingang zur Sonnenau - kleine Türen, die man den Kinder lassen sollte, die sie zumachen können, wenn sie es möchten.
Und dann dieses kindliche Staunen: Das glaube ich nicht, hört man immer wieder aus ihrem Munde - die Welt ist voller Wunder und Geheimnis. Die ruhige Erzählweise mit geschickt aufgebauten Spannungsbögen, ihre weiche Stimme mit leichtem Schweizer Akzent zogen die großen und kleinen Besucher in ihren Bann.