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Muschelkalk Figurentheater Alice Th. Böhm, Stuttgart

Die Liebe zwischen dem kauzigen Dichter Ringelnatz und seiner Frau Leonharda Pieper
auf die Figurentheaterbühne zu bringen, hatte viele Leute angelockt - schließlich war der Rathaussaal gut gefüllt.
Für mich als begeisterter Freund des Figurentheaters ein wirklich außergewöhnlicher Abend.

Unvergesslich die Vielseitigkeit, der Variationsreichtum im Figurenbau, aber auch die exzellente Führung der Marionetten durch die Spielerin, Alice Therese Böhm, die hier mit ihrer Diplomarbeit brillierte.
Durch unterschiedliche Darstellungsarten wurde dem Zuschauer die Liebesbeziehung zweier Menschen bewusst gemacht. So verwandelte sich Alice Therese Böhm mit einer großen Gesichtsmaske selbst zum Briefe-Schreiber Ringelnatz. Kleine Masken, welche durch die Handführung zu Leben erweckt wurden, ließen die Figurenspielerin zur Geliebten werden.
Als Marionette glich Ringelnatz einem langbeinigen Vogel, welcher sich in seinen Liebesschwüren und Liebeswünschen nach Leonharda verzehrte.
Höhepunkt des Stückes: Der Auftritt der Marionette Leonharda Pieper, die ihrem zarten rosa Kleid, entfaltet zu einem Fächer, ihre ganze weibliche Schönheit, aber auch ihre Zerbrechlichkeit und Zurückhaltung offenbarte.
"Wunderbar!" raunte das Publikum.
Untermalt wurde diese facettenreiche Liebesbeziehung zwischen Nähe und Distanz von leisem Geigenspiel.
Für mich eine außergewöhnliche künstlerische Darbietung dieser jungen Protagonistin.
Ein viel versprechendes Talent.