Die Brüder Grimm

THEATRIUM Steinau

Es war ein klassischer Abend; ein Zimmer im 18. Jahrhundert: gedeckte Farben, ein Stuhl, ein Tisch, ein Sekretär, ansehnliche Figuren. Erzählt wird die Geschichte der Brüder Grimm, nicht jene, der Märchensammler. Nein, ihr Werdegang als politisch engagierte Sprachwissenschaftler, die immer wieder gezwungen waren, ihre Heimat zu verlassen, weil sie mit ihren Anschauungen nicht den gegenwärtigen Konsens trafen.

Die Musik wurde live eingespielt, Dirk Kilian steht hinter einem halb durchlässigen Vorhang und spielt in kurzen Umbaupausen oder zur textlichen Untermalung auf Harfe, Schlüsselfidel oder einer mongolischen Oboe. Am leichtesten mögen noch die Dialoge sein, witzig und lebensnah. Dass Theaterstücke vom THEATRIUM anstrengend sein können ist bekannt, aber Heinichen spielt selten 08/15 Themen und er reduziert die Brüder Grimm eben nicht nur auf die Märchen.

Und alles, was ihm an spielerischer Eleganz fehlen mag, gleicht er mit Energie und Authentizität aus. Es gibt keine Überraschungen und es gibt keine spektakulären Wendungen; Heinichen macht, was er kann; er erzählt eine Geschichte, der man gerne folgt.

Torsten Zajwert