Werner Momsen: Schaum vorm Mund

Detlef Wutschik

Werner Momsen, die norddeutsche Kodderschnauze, scheint allgegenwärtig. Er brüstet sich ein „gesundes Halbwissen“ zu haben und hat zu allem eine Meinung.

Dennoch ist das, was sich in 90 Minuten auf der Bühne als Solo Entertainment abspielt alles andere als platt (auch wenn Werner Momsen der plattdeutschen Sprache durchaus mächtig ist!). Da zeichnet er Alltagssituationen, wie sie jedem im Publikum geläufig sind. Wenn man sich gemütlich aus dem Fenster lehnen und das Ganze als Zuschauer betrachten kann, hat auch der tägliche Stau in der Einbahnstraße seine ganz eigene Komik. Es ist so absehbar und trotzdem rennt bzw. fährt mensch immer wieder in diese Falle und schäumt vor Wut, weil es nicht voran geht. Und wer hat sich nicht schon ausgemalt, wie er den pragmatischen Verhaltensmustern seines Telefonanbieters begegnen möchte. Einfach mal Dampf ablassen und der Hilflosigkeit des anderen zusehen. Soll der doch mal fühlen, wie es einem so gehen kann. Vielleicht klappt es dann beim nächsten Mal besser.

Gänzlich tiefenpsychologisch wird es, wenn Werner Momsen über das Glück philosophiert. Wieviel lebensbedrohliches Ungemach muss einem begegnen, damit man Glück auch als solches erkennt. Mit Gelassenheit und der Erkenntnis – wer weiß, wofür das gut ist – lässt sich vieles leichter ertragen.

Während der Show verschwindet Detlef Wutschik vollends in seinem schwarzen Kostüm. Dann und wann wird er von Momsen als Gesprächspartner und Stichwortgeber herangezogen. Da man Wutschiks Gesicht nicht sieht und er nicht in den Vordergrund tritt sondern immer hinter seiner Figur zurück bleibt, fällt es leicht, der großen Klappmaulfigur „richtiges Leben“ abzunehmen und das eine oder andere was auf der Bühne dargeboten wird, nach den Lachattacken der Vorstellung mit in den Alltag zu nehmen. Take it easy!