Theater auf der Zitadelle – Frau Meier, die Amsel

Für Kindergarten- und Grundschulkinder spielte Regina Wagner, Theater auf der Zitadelle, Berlin, im Rathaussaal ihr Stück „Frau Meier, die Amsel“ während des Pole Poppenspäler Festivals in Husum.

Können sich nur Erwachsene Sorgen machen, Ängste haben, wie z.B. „Angst mich zu blamieren“, gar „Angst vor einem Flugzeugabsturz“ – oder ist das in unserer heutigen Zeit nicht auch schon Kindersache? So mag Frau Meiers Strategie, den Ängsten und Sorgen damit zu begegnen, sie auf ein weißes Blatt Papier zu schreiben, an eine weiße Birke zu klammern – und zu hoffen, dass der Herbstwind sie abreißt und davon trägt, auch eine Möglichkeit für Kinder bieten, ihre Sorgen zu benennen und abzugeben.

Das Spiel von Regina Wagner war herzerfrischend leicht, in einem von Ralf Wagner gebauten detailreichen, wunderschönen Bühnenbild: Gartenstuhl-Ensemble, Kommode mit vielen Schubladen, die geteilt wurde und zu Hausambiente und Garten wurde. In einer Schublade fand Frau Meier eine kleine, noch federlose Amsel, fütterte sie, gab ihr ein Nest und brachte ihr Schluss endlich das Fliegen bei, womit auch sie sich über die Banalitäten des Erdendaseins erhob.

Ihr Mann, sie liebender Realist, brachte Frau Meier nach dem Flug über Husum wieder auf den Boden der Realitäten mit dem Satz: „Jawoll. Dann essen wir endlich mal den Kuchen.“ Ein schönes Kinderstück, das alle Zuschauenden in seinen Bann zog und Kinderangst die Stirn zeigen möge.

Christine Reh-Gründer